Was macht einen Lost Place aus?

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Lost Places – es gibt schöne und es gibt unschöne. Doch was macht einen Lost Place eigentlich aus? Wann ist ein Lost Place ein Lost Place? Und was macht einen guten Lost Place aus? Und was macht einen schlechten Lost Place aus? Ich bin zwar erst seit 2015 dabei, habe aber schon das ein oder andere Objekt besucht. Es ist wie eine Sucht die einen nicht mehr loslässt. Mich hat es gepackt – und schon das ein oder andere mal war ich in einer Location und dachte mir: „Wirklich schön ist es nicht. Hat aber dennoch seinen Reiz“.

Ich glaube das hatten wir alle schonmal: Wir haben eine Tour vorbereitet, voller Vorfreude, haben die Akkus aufgeladen, die Tasche gepackt und sind dann los. Und dann? Dann steht man da und denkt sich: Diese Location hat ihre besten Zeiten hinter sich. Ich habe mir mal die Frage gestellt, was einen guten Lost Place eigentlich ausmacht und ab wann er anfängt mir zu gefallen. Nun, gefallen tun mir eigentlich fast alle Lost Places, allerdings ist die Frage, ob ich viel Zeit dort verbringe, eine andere. Denn es gibt ja tatsächlich Locations, in denen kann ich mehrere Stunden verbringen und komme aus dem Staunen nicht raus. Und es gibt Locations, da geht man um die Ecke und denkt sich: „Hinter der Ecke sah dass genau gleich aus“.

Was macht einen Lost Place aus

Also, zuerst möchte ich klären, was für mich überhaupt ein Lost Place ist. Klar: Solche Dinger wie das Monastery Mont G oder die verlassene Villa Woodstock sind Lost Places. Aber ein leerstehender Kiosk oder eine leerstehende Wohnung sind für mich keine Lost Places. Zwar steht es leer, aber meistens ja nicht verlassen, sondern einfach nur unbenutzt. Nicht vermietet könnte man sagen. Bei Villen, wie zum Beispiel der Villa Woodstock ist es ja ähnlich: Sie war vermietet, dann Jahrelang nicht, jetzt gerade sind dort Renovierungsarbeiten. Aber: Die Villa steht auf einem eigenen Grundstück. Das ist zum Beispiel auch wichtig. Ein leeres Ladenlokal steht nicht auf einem eigenen Grundstück, sondern ist meistens ein Teil eines Mietshauses.

Dazu kommt, dass es ja meistens so ist, dass die Lost Places von heute auf morgen praktisch verlassen wurden. Es liegen in manchen Fällen noch Akten herum, es gibt Geräte, Werkzeuge und so weiter. Das ist zwar nicht in jedem verlassenen Ort so, aber kommt nicht gerade selten vor. Auch entkernte Gebäude sind Lost Places, aber sie stehen auf einem Grundstück, wurden auch irgendwann mal „von heute auf morgen“ verlassen und wenn man genau hinschaut, hat man auch den „Flair“ eines richtigen verlassenen Ortes. Hat man bei einem leergeräumten Ladenlokal nicht so. Ein komplett verlassenes Mietshaus hingegen wäre wiederum ein Lost Place.

Was macht einen guten Lost Place aus

Ein guter Lost Place? Gibt es sowas überhaupt? Ja, gibt es! Beachte aber bitte, dass dies meine persönliche Meinung ist. Was ich für gut befinde, musst du nicht auch für gut befinden. Ich finde verlassene Gebäude gut, die noch in einem guten Zustand sind. Es muss kein Inventar oder so mehr zwingend drinstehen. Aber es sollte auch nicht komplett entkernt sein. Ich bin zum Beispiel großer Fan von Klostern und Kirchen. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie haben diese Orte etwas magisches an sich.

Ein für mich schöner Lost Place: Die Cristallerie
Ein für mich schöner Lost Place: Die Cristallerie

Für mich ist ein guter Lost Place nicht unbedingt unberührt, aber er darf nicht so extrem vollgesprüht sein. Er sollte nicht entkernt sein und er sollte kaum Spuren von Vandalismus haben. So, als wenn man nur einige Wochen vorher das Gebäude verlassen hat. Die Leute mit denen ich immer auf Tour bin, mit denen bewerte ich hinterher die Locations auf einer Skala von 1 bis 10. 1 bedeutet schlecht, 10 bedeutet geil. Man muss es natürlich begründen können. Wir kommen nie wirklich auf einen Nennen, es sei denn wir wählen die 10 weil es einfach das schönste ist was wir in unserer „Urbex-Karriere“ gesehen haben, aber eigentlich merkt man dort auch schon, dass wir einen unterschiedlichen Geschmack haben.

Das macht für mich einen guten Lost Place aus

[tie_list type="thumbup"]

  • Das Gebäude ist in einem guten Zustand
  • Das Gebäude ist nicht entkernt
  • Das Gebäude hat kaum Spuren von Vandalismus
  • Das Gebäude wurde gar nicht bis kaum besprüht
  • Es bietet ein paar tolle Motive
  • Das Gebäude sieht nicht hinter jeder Ecke gleich aus

[/ti[/tie_list]

Bestimmt könnte man die Liste noch weiter führen, dann müsste man so extrem ins Detail gehen, dass es schon nervig wäre das zu tippen bzw. für dich auch zu lesen. Denn dann würde es tief in meine eigene Meinung reingehen. Aber Grob gesagt, sind diese Punkte erst einmal wichtig, dass ich nicht enttäuscht bin.

Was macht einen schlechten Lost Place aus

Jetzt könnte man sagen: Alles, was keinen guten Lost Place ausmacht. So ungefähr ist es ja auch. Ein nicht so schöner Lost Place sieht für mich in jeder Ecke gleich aus. Das hat man meistens dann, wenn ein Gebäude schon entkernt wurde und man die Grundmauern sehen kann. Ausserdem mag ich es nicht so, wenn die verlassenen Ortschaften vollgesprüht sind. Ich sage mal so: Es gibt wirklich krasse Künstler da draussen und ich habe schon Graffitis gesehen, bei denen ich echt gestaunt habe. Aber: Es ist einfach so als Urbexer, dass man sich denkt: Dass passt gar nicht hier rein. Und die Fotos kämen doch deutlich geiler rüber, wenn dort nicht schon Graffitis wären.

Das Problem ist auch, dass dort wo übermäßig viele Graffitis sind, auch viel mehr Vandalismus stattgefunden hat. Ich will nicht schlecht über die Sprayer reden, aber irgendwie scheint es doch zusammen zu hängen. So hat es für mich den Anschein. Graffiti ist ja auch eine Art des Vandalismus.

Zu viel Graffiti und schon entkernt: Die Papierfabrik Düsseldorf
Zu viel Graffiti und schon entkernt: Die Papierfabrik Düsseldorf

Jetzt könnte man sagen, „das Gebäude ist in schlechten Zustand“ – wäre ein Grund für mich ein Lost Place als „schlecht“ zu bezeichnen. Ich meine aber mit „Ein Gebäude muss sich in einem guten Zustand befinden“, dass die Decken nicht übermäßig eingestürzt sein dürfen. Fenster und Türen sollten nicht rausgenommen, eingetreten oder eingeschlagen sein. Dass der Putz und die Farbe irgendwann von den Decken und Wänden kommt, ist nichts schlimmes, eigentlich finde ich es sogar noch schön. Es zeigt den typischen und realistischem Verfall. Wenn aber Löcher in die Wände geschlagen wurden, finde ich das wiederum nicht so schön. Weil es Mutwillig ist. Man erkennt ja schnell, ob es Vandalismus ist oder nicht – zumindest in den meisten Fällen.

Das macht für mich einen schlechten Lost Place aus

[tie[tie_list type="thumbdown"]

  • Das Gebäude ist vollgesprüht mit Graffiti
  • Das Gebäude hat viel Vandalismus erlitten
  • Der Lost Place ist in einem schlimmen Zustand
  • Der verlassene Ort sieht hinter jeder Ecke gleich aus

[/tie_li[/tie_list]Auch hier könnte man wieder extrem tief ins Detail gehen. Ich finde es auch schwer, die passenden Worte zu finden, denn irgendwie kommt ja letztlich doch auf den Einzelfall an. Einfach alles über einen Kamm zu scheren ist nicht meine Art – egal wo. Das Ding ist einfach, dass man die Location gesehen haben muss, um beurteilen zu können, ob es sich um einen guten oder um einen schlechten Lost Place handelt. Ich war zum Beispiel im verlassenen Spukhaus von Essen. Eigentlich kein besonderer Hingucker und auch nichts besonderes. Aber die paar Motive die ich da gefunden habe, haben mir gefallen. Und obwohl es ziemlich runtergekommen war, war es doch irgendwo schön.

Wie beurteilt ihr Lost Places und was ist für euch entscheidend um sagen zu können: Es war schön bzw. es war nicht schön? Schreibt mir mal eure Meinung und Ansichten in die Kommentare!

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