9 Tipps wie du bessere Fotos von Lost Places schießt

Eine andere Perspektive auf eine Schreibmaschine
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Fotografie ist ein sehr breites und umfangreiches Thema, dass weiß jeder, der sich schonmal mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Wie oft hat man schon vor dem Rechner gesessen, sich die eigenen Bilder angeschaut und gedacht: „Wieso sehen meine Fotos nicht so gut aus wie die der anderen?“. Nun, man sollte zwar immer selbstkritisch an die Sache gehen, aber gerade am Anfang nicht zu viel erwarten. Ich selber entdecke auf jeder Tour etwas neues, lerne neues und lerne ständig besser mit der Kamera umzugehen und bessere Fotos zu schießen. Ich möchte dir gerne ein paar Tipps geben, wie du bessere Fotos von Lost Places schießen kannst.

Die Bildgestaltung

Bei der Bildgestaltung gibt es einige „Regeln“, die Fotografen gerne anwenden. Wie zum Beispiel die „1/3-Regel“, bei der man das Motiv nicht in die Mitte des Bildes setzt, sondern weiter an den Rand und es nur 1/3 des Bildes ausmacht. Den Rest macht der Hintergrund aus. Selbst wenn man sich daran versucht, wird man nicht immer ganz zufrieden sein. Man braucht dafür schon ein wenig Übung, Erfahrung und natürlich das Auge für den Hintergrund. Es ist aber auch so, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und man sich ruhig mit dem Zufrieden geben sollte, was man hinbekommen hat. Schaut man sich dann irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt die eigenen Fotos an und vergleicht sie, wird man merken, dass man immer besser geworden ist.

Wenn ich mir Bilder – hauptsächlich auf Facebook – von Lost Places anschaue, dann fällt mir meistens auf, dass recht lieblos die Kamera draufgehalten und der Auslöser gedrückt wurde. Entweder scheinen sich diese Leute nicht mit dem Thema Fotografie auseinanderzusetzen oder sie „dokumentieren“ einfach nur. Nun, die einen sagen, diese Bilder gefallen ihnen, die anderen sagen, dass sie lieblos geschossen wurden. Ich bin zum Beispiel eher der Typ, der letzteres sagt, denn Fotos von Lost Places kann man deutlich schöner gestalten und aussehen lassen. Nicht einfach mit einem Blitz draufhalten und weiterziehen. Fotografie kostet Zeit. Fotografie kostet Nerven. Und dass ist das, was ich daran so liebe. Folgend möchte ich dir ein paar Foto-Tipps zur Bildgestaltung aufzeigen, um deine Fotos von Lost Places besser wirken und aussehen zu lassen.

1. Wähle eine andere Perspektive

Die meisten „lieblosen Fotos“ werden schnell aus der Hand geschossen. Wirklich Zeit genommen wird sich in der Regel dafür nicht. Dass der Körper sich bewegen und auch mal in die Hocke gehen kann, wissen die meisten – nutzen tun sie es aber nicht. Wähle einfach mal eine andere Perspektive, zum Beispiel von unten. Oder von oben. Oder von der Seite. Mit jedem Motiv kann man ein wenig „spielen“ um es aus einer anderen Perspektive darzustellen. Dadurch ergeben sich völlig verrückte Bilder, die du vielleicht nicht postest, aber dir die beim ansehen vielleicht ein wenig Inspiration geben können. Ich finde es immer schade, wenn ich Bilder sehe, bei denen man erkennt, dass da jemand vorgestanden, die Kamera ausgerichtet und den Auslöser betätigt hat.

2. Schieße Totalaufnahmen

Die Totale ist in Lost Places ein sehr beliebtes Format der Aufnahmen, weil man schön viel drauf bekommt und die Größe der Räumlichkeiten gut darstellen kann. Ich bin auch ein Fan der Totalen, besonders bei Kirchen oder Klostern wie dem Monastery Mont G. Es ist einfach so, dass ich so die Größe der Kathedrale schön ablichten konnte – auch mit einem Fisheye-Objektiv. Die Totale braucht aber auch ein wenig Übung. Während viele – so wie ich – meistens die Mitte des Raumes suchen, kann man auch schön aus einer anderen Perspektive eine Totale aufnehmen und den Raum gut darstellen zu können – aber das Bild nicht langweilig wirken zu lassen.

Totalaufnahmen: Stelle Räume schön dar
Totalaufnahmen: Stelle Räume schön dar

3. Detailaufnahmen sind wunderschön!

Achte auf die kleinen Dinge in den Lost Places in denen du gehst. Schilder, Werkzeuge, Fußabdrücke, Schuhe, Handschuhe, Helme, Telefone und so weiter und so fort – dass alles gehört zum Lost Place und bietet wunderschöne Motive. Es sind Dinge, mit denen im Lost Place gearbeitet wurde, welches dazugehört und ein Teil der Geschichte ist. Ich finde Detailaufnahmen wunderschön und finde mittlerweile, dass sie einfach in jedes Set gehören. Aber auch hier gilt: Gerne mal die Perspektive wechseln und später am Rechner schauen, welches das schönste ist. Du wirst gar nicht glauben, was für schöne Motive es alles in Lost Places gibt.

Mit Detailaufnahmen zeigst du mehr Details vom Lost Place
Mit Detailaufnahmen zeigst du mehr Details vom Lost Place

4. Spiele mit dem Hintergrund

Wenn du eine Detailaufnahme machst, kannst du mit dem Hintergrund spielen. So erinnere ich mich noch an eine alte Papierfabrik, in der eine alte Schreibmaschine stand. Von dieser alleine habe ich bestimmt 20 Aufnahmen gemacht. Mal von der Seite, mal von Oben und auch von vorne. Einfach mal um mit den Perspektiven zu spielen und „das perfekte Bild“ für mich zu finden. Dabei muss man natürlich auch auf den Hintergrund achten: Als ich zum Beispiel von der Seite aus fotografiert habe, habe ich viel vom Hintergrund drauf gehabt, was sich neben dem Schreibtisch auf dem die Schreibmaschine stand, befunden hat. Dort habe ich einmal mit einer offenen Blende fotografiert – um einen unscharfen Hintergrund zu bekommen – und einmal mit einer geschlossenen Blende um einen recht scharfen Hintergrund zu erhalten. Man muss einfach mal ausprobieren, denn nur so erfährst du, was dir besser gefällt.

Spiele ruhig mit der Unschärfe im Hintergrund des Bildes
Spiele ruhig mit der Unschärfe im Hintergrund des Bildes

5. Stell dein Motiv nicht nur in die Mitte

Früher war es ganz normal ein Motiv in die Mitte zu stellen und abzulichten. Auch Urlaubs-Fotografen machen das sehr gerne. Wenn man sich aber mit der Bildgestaltung in der Fotografie auseinandersetzt, wird man schnell merken, dass es noch viele andere Möglichkeiten gibt. Ich zum Beispiel nehme gerne die 1/3 Regel, bei der das Motiv eines der Drittel im Bild ausmacht. Ich unterteile in meinem Kopf das Bild in drei gleich Große Drittel auf und lege das Motiv in eines der äußeren, damit das Motiv nicht in der Mitte ist. Dann muss man schauen, wie gestaltet man die anderen beiden Drittel? In der Regel wird es vom Hintergrund eingenommen, es kann aber auch etwas im Vordergrund sein. Mein Tipp: Schau dich auch mal in deiner Location um, was du sonst noch als schönen Hintergrund verwenden kannst und was lieber nicht im Hintergrund zu sehen sein sollte.

Eine andere Perspektive auf eine Schreibmaschine
Eine andere Perspektive auf eine Schreibmaschine

6. Richte dein Bild gerade aus

Wenn du nicht wirklich bewusst einen schrägen Winkel ansetzt, dann achte doch bitte darauf, dass deine Bilder gerade sind. Manchmal sind meine Bilder auch nicht zu 100% gerade, aber ich richte sie in der Software hinterher noch, damit sie es sind. Es gibt nichts schlimmeres, als wenn man Bilder sieht, in denen der Winkel unabsichtlich gewählt wurde und das Bild schieß geschossen wurde. Einfach weil man sich keine Mühe gegeben hat. Und ja, man kann es sehen wenn man bewusst die Kamera schräg gehalten hat. Es gibt ja auch Motive, da sieht es einfach nur furchtbar aus. Nutzt das Raster in eurem Sucher oder auf eurem Bildschirm!

Farben im Bild

Ich schaue mir täglich Bilder von Lost Places an. Nicht nur in Communitys wie 500px oder Flickr, sondern auch auf Facebook, wo es ja diverse Gruppen gibt, in denen andere Urbexer ihre Bilder einstellen können. Dabei habe ich schon alles gesehen: Übersättigte Bilder, Schwarz-Weiss Bilder, überbelichtete Bilder, unterbelichtete Bilder, HDR-Bilder und so weiter. Am häufigsten sehe ich aber Bilder, die viel zu viel Farbe drin haben. Das sieht unnatürlich aus und gefällt gar nicht. Ich frage mich dann immer, ob diese Menschen kein Auge haben und nicht sehen, dass es viel zu künstlich aussieht. Ich mein, jeder hat seinen eigenen Geschmack, aber es werden Bilder geteilt, wo Rost so leuchtend Rot aussieht, dass man denken kann, es sei ein LED-Licht was man sich da anschaut…

1. Weniger ist mehr

Ich bin ein Freund der Bilder mit weniger Farbsättigung. Es sieht viel natürlicher aus für einen Lost Place, der ja nicht nur verlassen ist, sondern an dem auch wenig blüht und der trostlos aussieht. Die Farbsättigung und Farbdynamik dann künstlich hochzudrehen ist in meinen Augen ein großer Fail. Alles leuchtet viel zu sehr, was das ganze fast schon unerträglich zum anschauen macht. Lieber etwas die Sättigung rausnehmen und das Foto noch „mystischer“ und „trostloser“ aussehen lassen.

Zu viel Farbe würde das Bild und die Stimmung kaputt machen
Zu viel Farbe würde das Bild und die Stimmung kaputt machen

2. Schwarz-Weiss

Ui, ich liebe schöne Schwarz-Weiss Fotos. Leider bekomme ich selber selten welche hin. Aber es gibt so viele schöne Schwarz-Weiss Fotos da draussen, da braucht man sich nur mal auf den Foto-Communitys wie 500px umzuschauen. Einfach ein Traum. Auch Lost Places können in Schwarz-Weiss eine besondere Wirkung haben, wenn das Bild nicht überbelichtet oder unterbelichtet ist. Einfach mal ausprobieren und schauen, wie es dir selber gefällt.

3. HDR-Fotografie

Ich liebe HDR-Fotos, besonders von Lost Places. Sie lassen das Bild nochmal etwas besonderer wirken und geben dem Bild einen Unterton, welcher mir echt gefällt. Ich selber habe in der Cristallerie val Saint Lambert auch mit HDR ein wenig rumgespielt und finde, es ist gar nicht so schlecht geworden. Grund dafür ist der hohe Dynamikumfang welcher sich ergibt: Ich kann dunkle Stellen genau so gut ablichten wie helle Stellen und dem Bild viel mehr Details mitgeben. Besonders in Lost Places ist das ein schönes Stilmittel. Und Nein: Bitte nutze nicht den HDR-Kunst-Modus deiner Kamera, sondern erstelle mehrere Bilder mit verschiedenen Belichtungen um diese dann via Lightroom oder anderen Programmen zu einem HDR zusammen zu setzen. Das sieht deutlich besser aus!

HDR Bilder von Lost Places: Wunderschön!
HDR Bilder von Lost Places: Wunderschön!

Fazit

Insgesamt 9 Tipps die ich jetzt niedergeschrieben habe. Endlich habe ich mal wieder was gebloggt! Ich habe in letzter Zeit einige Bilder gesehen und mir lag es einfach auf der Zunge mal so ein Thema zu verbloggen. Wir sind alle Lost Place-Fans und möchten schöne Fotos schießen – wieso sich dann nicht auch ein wenig mehr Mühe geben? Ich weiß dass ich selber kein Profi-Fotograf bin und selber noch lerne, aber es ist ja auch wichtig, sich mit solchen Themen auseinander zu setzen, oder findest du nicht?

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