Feuerwerk fotografieren – so gelingen dir Feuerwerks-Fotos!

Ist das Bild was geworden? Bitte nur schnelle Bildkontrollen!
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Ein Feuerwerk zu fotografieren ist nicht die leichteste Aufgabe, denn dein Motiv siehst du vorher nicht. Du kannst nur hoffen dass es in deinem Bild landet. Feuerwerk – wie man es von einigen Festen und auch von Silvester kennt – schießt in die Höhe und explodiert dann. Und erst dann wird dein Motiv auch sichtbar. Ich möchte dir ein paar Fotografie Tipps geben, wie du Feuerwerk fotografieren kannst und dir deine Fotos gelingen!

Feuerwerk fotografieren: Tipps und Tricks für die Vorbereitung

Egal ob Silvester oder auf Volksfesten von professionellen Pyrotechnikern: Ein Feuerwerk sieht nicht nur imposant aus, sondern bereut meistens auch ein tolles Gefühl. Zumindest ergeht es mir so. Und ich habe mich auch schon selber daran versucht, ein Feuerwerk zu fotografieren und habe schnell gemerkt dass es zwar nicht leicht ist, aber eben auch nicht die schwerste Aufgabe. Denn es gibt ein paar grundsätzliche Dinge die man beachten sollte, damit das Foto etwas wird. Ich gebe dir Tipps, wie du ein Feuerwerk fotografierst, welche Einstellungen optimal sind und wie dein Bild etwas wird!

1. Wähle den richtigen Standpunkt aus

Einer der wichtigsten Tipps die du dir zu Herzen nehmen solltest ist die Wahl des Standpunkts. Denn dieser ist besonders wichtig. Ein Bild wird durch die Pyrotechnik zwar schon Eindrucksvoll, aber nicht perfekt. Um deinem Bild mehr Wirkung zu verleihen solltest du den richtigen Standpunkt wählen. Dabei solltest du berücksichtigen dass ein Standpunkt gewählt wird, bei dem du freie Sicht auf das Feuerwerk hast.

Dazu musst du wissen wo das Feuerwerk stattfindet. Bei Fotos an Silvester wird das ein wenig schwieriger, denn man weiß nicht wo die Leute ihre Raketen und Batterien zünden. Einfacher wird es, wenn man sich eine Party-Location sucht und den Veranstalter fragt, ob ein Silvesterfeuerwerk geplant ist. Wenn ja, dann kann man direkt erfragen wo das Feuerwerk stattfindet und sich Gedanken machen, wo man sich mit seiner Kamera hinstellen möchte.

2. Nutze ein Stativ

Beim fotografieren von Feuerwerken setzt man auf die Langzeitbelichtung. Die Verschlusszeit ist also länger eingestellt und der Sensor bekommt mehr Licht. Dabei darf die Kamera nicht wackeln. Das heißt: Stativ benutzen. Ich selber benutze seit längerer Zeit das Manfrotto Befree und bin sehr zufrieden damit. Allerdings habe ich auch schon erlebt dass es extrem windig ist. Dann ist ein Reisestativ vielleicht nicht die beste Wahl, da es einfach zu leicht ist und somit auch leicht zu wackeln gebracht werden kann. Und kleinste Wackler reichen schon aus um das Bild zu versauen.

Wichtig für die Feuerwerksfotografie: Ein Stativ
Wichtig für die Feuerwerksfotografie: Ein Stativ

3. Wähle eine passende Brennweite aus

Diesen Punkt empfinde ich als den schwierigsten. Das liegt aber daran, dass man das Feuerwerk vorher nicht sieht aber sein Foto schließlich planen muss. Also ist es wichtig ungefähr zu wissen wo das Feuerwerk stattfindet, wo man selber steht und wie man das Bild gestalten möchte. Möchtest du eine ziemlich breite Aufnahme haben, brauchst du ein Weitwinkel-Objektiv wie das Sony SEL1018F4 OSS (nutze ich an meiner Sony Alpha a6300) oder das Sigma 10-20mm.

Es gibt aber auch die Möglichkeit eine Festbrennweite zu nutzen, die natürlich noch ein Stück schärfer ist. Oder eine längere Brennweite. Es kommt drauf an wie du das Feuerwerk ablichten möchtest. Und wie sich dein Bild aufbaut. Mein Tipp: Deutlich früher an deinem Fotospot sein und ausprobieren – ohne Feuerwerk! Und dann nur noch auf den richtigen Zeitpunkt warten wann das Feuerwerk startet!

4. Fernauslöser oder Selbstauslöser für wackelfreie Feuerwerksfotos

Ein Tipps den ich immer wieder gebe – und dass nicht nur wenn es ums fotografieren von Feuerwerken geht – ist die Nutzung vom Selbstauslöser oder das Auslösen via Fernauslöser. Denn: In dem Moment in dem wir die Langzeitbelichtung über den Kameraauslöser starten wackelt diese. Das nimmt dein Auge nicht wahr – zumindest nicht in dem Moment in dem du auf den Auslöser drückst. Wenn du dir die Bilder allerdings später auf deinem Computer anschaust, siehst du dass es leicht verwackelt ist.

Ich selber habe zwar einen Fernauslöser gekauft gehabt, nutze ihn aber immer seltener. Einfach weil ich mit dem Selbstauslöser meiner Kamera sehr gut auskomme. Meistens ist er dabei übrigens auf 2 Sekunden eingestellt was vollkommen ausreicht.

5. Fokussiere manuell

In der Nacht – oder besser: In der Dunkelheit – hat der Autofokus gerne mal Probleme richtig zu sitzen und den Punkt perfekt anzufokussieren. Deshalb ist eine manuelle Fokussierung fast schon Pflicht. Am besten suchst du dir einen Punkt aus und nimmst das Fokus-Peaking und die Fokuslupe (sofern vorhanden) zur Hilfe. Und am besten bleibst du auch auf diesen Punkt fokussiert – sofern du bei der Bildkontrolle nicht irgendetwas findest, was dich zwingt einen anderen Punkt zum fokussieren zu nehmen.

Am besten fokussierst du manuell
Am besten fokussierst du manuell

Einstellungen um ein Feuerwerk zu fotografieren

Kommen wir nun zu den Kameraeinstellungen. Diese sind nämlich enorm wichtig wenn du ein Feuerwerk fotografieren willst. Solltest du noch nicht so lange fotografieren und dich noch nicht zu 100% mit deiner Kamera oder den Einstellungen auskennen, kann es dir passieren dass deine Bilder nichts werden. Und dann hast du auch nicht „mal eben“ die Zeit um neue Fotos zu schießen, denn wenn man nur an Silvester die Möglichkeit hat ein Feuerwerk zu fotografieren, muss man wieder ein Jahr warten.

In der Regel hast du an Silvester je nach Stadt und Veranstaltung rund 30 Minuten Zeit um ein Feuerwerk abzulichten und „das perfekte Foto“ zu schießen. In einigen Städten hast du auch mehr Zeit. Und in China hast du wohl am längsten Zeit.

Damit du nicht zu sehr unter Zeitdruck stehst, möchte ich dir ein wenig Hilfestellung geben was die Kameraeinstellungen angeht. Dabei solltest du beachten dass dies nur Empfehlungen sind. Je nach Kamera-Objektiv Kombination musst du die Einstellungen versuchen anzupassen.

1. Bildstabilisator aus!

Das wichtigste zuerst: Schalte den Bildstabilisator aus wenn du von einem Stativ fotografierst. Denn dann erhöhst du nochmal die Schärfe deines Bildes. Kurz zur Erklärung: Der Bildstabilisator in deiner Kamera bzw. in deinem Objektiv ist nichts anderes wie kleine Motoren die kleine Bewegungen ausgleichen. Auf einem Stativ sind aber keine Bewegungen da, die Motoren versuchen aber welche auszugleichen und sorgen dafür dass dein Bild leicht unscharf wird.

Klingt irgendwie komisch, ist aber wirklich so.

2. Blende auf mindestens F8 stellen

Je offener die Blende, desto weniger Tiefenschärfe bekommen wir. Das bedeutet dass der Hintergrund unscharf wird. Wenn wir aber mit einem Weitwinkel-Objektiv fotografieren und eine gesamte Szene scharf stellen wollen, brauchen wir eine geschlossenere Blende. Ich gehe hierbei immer mindestens auf F8. Diesen Wert sollte man sich merken, da die meisten Objektive bei einer Blende von F8 die höchste Schärfe bieten. Schärfer bekommen wir unser Bild nicht. Teilweise schließe ich die Blende aber noch weiter, da ich dann die höchste Tiefenschärfe bekomme. Aber ich schließe die Blende nicht all zu weit, denn ab einem gewissen Punkt bekommt man ein unscharfes Bild. Dann ist es zwar gleichmäßig, aber gleichmäßig unscharf.

Ein guter Wert ist zwischen F8 und F11 oder eine Blendenstufe weiter. Am beste einfach mal ausprobieren wo man die beste Schärfe bei seinen Objektiven bekommt.

Ich empfehle eine Blende von mindestens F8 wenn du ein Feuerwerk fotografieren möchtest
Ich empfehle eine Blende von mindestens F8 wenn du ein Feuerwerk fotografieren möchtest

3. ISO so niedrig wie möglich einstellen

Da wir von einem Stativ aus fotografieren, können wir die Belichtung über die Verschlusszeit und die Blende steuern. Den ISO stellen wir also auf ISO100 ein. Wir müssen den Sensor ja nicht lichtempfindlicher machen. Der Vorteil hier: Unser Bild rauscht nicht, sondern ist schön knackig.

4. Verschlusszeit wie gebraucht

Kommen wir nun zur Verschlusszeit. Hier muss man ein wenig probieren, denn: Je länger die Verschlusszeit, desto mehr Feuerwerk kommt auch auf den Sensor. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht dass eine Verschlusszeit von 30 Sekunden oder gar höher Ideal sind um schön viele Feuerwerkskörper aufs Bild zu bekommen. Aber: Je nach Bildkomposition und Idee die hinter dem Foto steckt kann man auch eine kürzere Verschlusszeit einstellen.

Allerdings empfehle ich immer eine Verschlusszeit von mindestens 20 Sekunden, da Raketen in die Luft fliegen und dann erst explodieren. Damit man die gesamte Explosion und den gesamten Stern aufs Bild bekommt, sollte die Kamera von Anfang bis zum Ende das Bild „aufnehmen“.

Zusammenfassung der Einstellungen für Feuerwerk-Fotos

  • Bildstabilisator aus wenn du von einem Stativ fotografierst
  • Blende F8 (scharfes Bild, hohe Tiefenschärfe)
  • ISO100 einstellen (Belichtung wird über Verschlusszeit korrigiert)
  • Mindestens 20 Sekunden Verschlusszeit, gerne auch länger

Weitere Tipps zum fotografieren eines Feuerwerks

Zum Schluss möchte ich dir noch ein paar weitere Tipps geben, damit deine Feuerwerksfotos gelingen und dich später zufriedenstellen. Denk dran: Man kommt nicht so häufig dazu ein Feuerwerk zu fotografieren, wenn man nicht ständig auf Events fährt, auf denen professionellen Pyrotechniker ihre Show am Himmel durchziehen.

1. Ohne Rücksicht auf die Speicherkarte

Du wirst nicht viel Zeit haben, denn jedes Feuerwerk ist irgendwann mal vorbei. An Silvester hat man durchschnittlich nur 30 Minuten Zeit bis das Spektakel am Himmel aufhört. Bei einer Show eines Pyrotechnikers meistens sogar noch viel kürzer. Daher solltest du draufhalten was das Zeug hält. Ohne Rücksicht auf die Speicherkarte. Nimm lieber eine etwas größere Speicherkarte und pack sie in die Kamera (16GB reichen locker aus!).

Versuche so viele Bilder wie möglich zu machen. Du wirst dich ärgern wenn du getrödelt hast und später nur mit 2 oder 3 Bildern wieder nach Hause kommst. Denn einige sortiert man immer aus.

2. Nur schnelle Bildkontrollen

Und weil wir schon unter Zeitdruck sind, solltest du nur schnelle Bildkontrollen machen. Vielleicht nach dem ersten Foto. Dann ist es wichtig zu schauen ob der Fokus perfekt sitzt, ob der Bildausschnitt dir gefällt und ob die Verschlusszeit lang genug gewählt ist um die Explosionen der Feuerwerkskörper schön darzustellen. Jede Bildkontrolle kostet dich wertvolle Zeit die du wahrscheinlich nicht hast – besonders an Silvester!

Ist das Bild was geworden? Bitte nur schnelle Bildkontrollen!
Ist das Bild was geworden? Bitte nur schnelle Bildkontrollen!

3. Bereite dich vor

Nichts ist ärgerlicher als nicht gelungene Fotos. Und dazu gehört auch die Vorbereitung! Ich finde dass diese nämlich schon die halbe Miete sind. Wenn deinem Akku während deiner Tour der Saft ausgeht (Langzeitbelichtungen kosten ordentlich Strom!) oder die Speicherkarte voll ist, ist das ärgerlich. Der Wechsel kostet Zeit die du nicht hast. Und nichts ist ärgerlicher als während des Feuerwerks zu merken, dass man nicht den besten Standpunkt gewählt hat, weil man zu spät dran war. Mit dazu gehört es natürlich auch zu kontrollieren ob dein Objektiv sauber und gereinigt ist. Denn später Staubkörner oder ähnliches auf dem Bild zu haben ist extrem ärgerlich und enttäuschend.

4. Informiere dich

Informiere dich über das Feuerwerk – sofern du die Möglichkeit hast. Wenn du das Silvesterfeuerwerk über einer Stadt fotografieren willst, kannst du dich nicht informieren. Aber wenn du das Feuerwerks eines Events fotografieren möchtest, dann kannst du vorher schon nachfragen wann und wo das Feuerwerk abgeschossen wird. Somit hast du nützliche Informationen und kannst planen wo du stehen wirst – um den perfekten Bildausschnitt wählen zu können. Und vielleicht auch um das Objektiv auswählen zu können.

5. Frühzeitig vor Ort sein

Ich empfinde es als sehr wichtig dass man frühzeitig vor Ort ist. Alleine schon deshalb, dass man sich nicht abhetzt, keinen Stress hat und somit auch nichts vergessen kann. Weiterhin hast du den Vorteil, dass du in aller Ruhe Testaufnahmen machen kannst. Zum Beispiel um zu kontrollieren ob dein manuell gesetzter Fokus sitzt, ob das Bild schön scharf ist und ob dein Bildausschnitt gut gewählt ist. Und dann wartest du nur noch auf das Feuerwerk, genießt es und schießt deine Fotos!

Fazit

So lang sollte der Beitrag eigentlich gar nicht werden, daher umso erfreulicher die Nachricht dass du es geschafft hast: Du bist am Ende des Artikels! Ein Feuerwerk bedeutet immer: Wenig Zeit, wenig Licht. Deswegen brauchst du eine lange Verschlusszeit. Damit du auch eine größtmögliche Tiefenschärfe bekommst, solltest du auf eine geschlossene Blende setzen. Damit dein Bild nicht verwackelt und genug Licht auf den Sensor kommt, muss ein Stativ genutzt werden. Und fertig sind die Einstellungen deiner Kamera um ein Feuerwerk fotografieren zu können. Vorbereitung ist enorm wichtig, deswegen schau vorher ob deine Ausrüstung einsatzbereit ist und kümmere dich vor dem Feuerwerk um eine ideale Position um deine Fotos zu schießen. Und dann? Dann einfach draufhalten, fotografieren und Attacke!

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2 Kommentare
  1. Reinhold J. Schiemer schreibt:

    Als SONY-Fotograf muss ich noch ergänzen, dass es bei Feuerwerksaufnahmen Sinn macht die Rauschminderung in der Kamera zu deaktivieren, da sonst die Speicherzeit unnötig lang wird und man dadurch wesentlich länger nicht neu auslösen kann.

    1. Christian schreibt:

      Danke für den Tipp Reinhold!

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