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Gründe für unscharfe Fotos und Tipps wie du sie vermeidest

Mir selber ist es schon passiert und dir mit Sicherheit auch. Du ziehst mit deiner Kamera los, schießt ein Foto und bemerkst zu Hause bei der Bearbeitung, dass deine Bilder unscharf sind. Ich habe schon eine ganze Tour löschen müssen weil ich nur unscharfe Fotos geschossen habe. Und auch bei meinen ersten Porträt-Fotos ging so ziemlich jedes Foto in die Hose. Ein riesiges Problem ist, dass die Fotos auf den Kameradisplay super aussehen und man die Unschärfe erst hinterher am Computer und auf einem größeren Display sieht.

Leider lässt sich auch nicht jede Tour so einfach wiederholen. Manchmal ist es ja auch nicht nur eine Fototour die unscharf geworden ist, sondern Erinnerungen und Momente die sich nicht wiederholen lassen. Um unscharfe Fotos in Zukunft zu vermeiden möchte ich dir helfen. Ich möchte dir ein paar Gründe für die unscharfen Bilder nennen und dir zeigen, wie du in Zukunft schärfere Fotos schießt.

Gründe für unscharfe Fotos und wie du unscharfe Fotos vermeidest

Grund 1: Dein Fokus sitzt falsch

Ein Fehler der mir ziemlich häufig passiert ist und tatsächlich noch ab und zu passiert: Der Fokus sitzt einfach an der komplett falschen Stelle. Das liegt meistens am Autofokus. Denn die Kamera entscheidet wo der Fokus liegt. Zumindest in einigen Einstellungen. Das Problem allerdings ist, dass du dein Bild schon im Kopf hast und weißt was du scharf gestellt haben möchtest. Daher musst du den richtigen Autofokus-Modus einstellen.

Mein Tipp: Nutze den „Flexible Spot“ deiner Kamera. So heißt er zumindest bei meiner Sony Alpha a6300. Wie er bei anderen Marken heißt, kann ich nicht sagen. Der Vorteil bei diesem Fokus-Modus ist, dass du den Fokuspunkt selber auswählen kannst. Dazu kannst du diesen verschieben und auswählen, auf welchen Bereich der Fokus gelegt werden soll.

Ein weiterer Tipp – welchen ich mittlerweile extrem gerne anwende – ist die Nutzung der Fokusvergrößerung. Das hat nicht jede Kamera – leider. Meine Sony Alpha a6300 beherrscht diese Funktion und ich möchte sie gar nicht mehr missen.

Vielleicht fokussierst du aber auch gar nicht automatisch, sondern manuell. Dann musst du wohl noch ein wenig üben. Die manuelle Fokussierung ist extrem schwer, ich habe mich selber erst ein paar mal getraut sie zu testen und muss sagen, dass mir die Bilder leider nicht gelungen sind. Aber: Moderne Kameras bieten mittlerweile ein Fokus-Peaking und eine Fokusvergrößerung an, so dass man es definitiv leichter hat, manuell zu fokussieren.

Wenn der Fokus sitzt, bist du einem scharfem Foto einen Schritt näher
Wenn der Fokus sitzt, bist du einem scharfem Foto einen Schritt näher

Grund 2: Deine Verschlusszeit ist zu lang

Ein typischer Anfängerfehler ist eine zu lange Belichtung. Wenn du aus der Hand fotografierst, dann spielt es eine Rolle wie lang deine Verschlusszeit eingestellt ist. Denn: Du wirst es niemals schaffen die Kamera so still zu halten, dass du lange belichten kannst. Wer länger belichten möchte, der sollte ein Stativ benutzen. Ich versuche die Verschlusszeit immer so kurz wie möglich zu halten wenn ich aus der Hand fotografiere. Ich kenne mich und meine Hände und weiß dass ich ein „Zappelphilipp“ bin. Unter 1/200 gehe ich nur wenn es nicht anders möglich ist. Es soll aber Menschen geben, die mit längeren Verschlusszeit noch immer scharfe Fotos hinbekommen.

Lösung: Stell deine Verschlusszeit kürzer ein, erhöhe dafür den ISO oder öffne deine Blende ein bisschen um richtig zu belichten.

Grund 3: Dein Bildstabilisator ist ausgeschaltet

Noch ein typischer Fehler ist das ausschalten des Bildstabilisators. Wenn er eingeschaltet ist, hilft er dir aus der Hand zu fotografieren indem er kleinere Bewegungen ausgleicht. Manche Kameras haben einen eingebauten Bildstabilisator, andere wiederum nicht. Dann befindet sich in der Regel ein Bildstabilisator in deinem Objektiv. Du solltest aber unbedingt herausfinden wo dieser bei deiner Kamera-Objektiv-Kombination ist und wie man ihn aus- und einschaltet.

Grund 4: Du benutzt kein Stativ

Ich bin ein großer Freund von Stativen und besitze ein Manfrotto Befree Reisestativ, welches ich auf meine Touren an verlassenen Orten, auf Fototouren und auch mit auf Reisen nehme. Ich fotografiere unheimlich gerne von einem Stativ aus. Das liegt aber einfach daran dass ich gerne Belichtungsreihen für ein HDR-Foto schieße. Dafür braucht man ein Stativ. Oder weil ich in Lost Places eine längere Verschlusszeit einstelle um mit einem geringem ISO-Wert fotografieren zu können.

Es gibt viele Situationen an denen man nicht auf ein Stativ verzichten kann. Zum Beispiel um Nachts die Sterne fotografieren zu können. Oder um Wasser weicher aussehen zu lassen. Oder auch einfach weil die Lichtverhältnisse schlecht sind und man länger belichten muss.

Mein Tipp: Mach dir vorher Gedanken ob du ein Stativ brauchst oder nimm es vorsichtshalber mit. Gute Reisestative wiegen nicht so viel dass man sich abschleppt, sondern sind leicht und recht angenehm zu tragen.

Für längere Verschlusszeiten ist ein Stativ Pflicht um scharfe Fotos zu schießen
Für längere Verschlusszeiten ist ein Stativ Pflicht um scharfe Fotos zu schießen

Grund 5: Dein Bildstabilisator ist eingeschaltet

Okay, jetzt wird es kurios. Erst sage ich dir, dass du deinen Bildstabilisator einschalten sollst, jetzt sollst du den Bildstabilisator ausschalten. Aber Vorsicht: Bitte nur dann, wenn du von einem Stativ aus fotografierst! Während der Bildstabilisator dir hilft scharfe Fotos aus der Hand zu schießen, ist er ein Grund für unscharfe Fotos wenn du von einem Stativ fotografierst. Denn dann gibst du dem Bildstabilisator nichts auszugleichen.

Trotzdem versucht der Stabilisator aber etwas auszugleichen – was nicht da ist, da sich dein Stativ nicht bewegt. Somit bekommst du, wenn du von einem Stativ aus fotografierst, leicht unscharfe Bilder. Schalte den Bildstabilisator beim fotografieren von einem Stativ also aus.

Grund 6: Du nutzt die Selbstauslöser-Funktion deiner Kamera nicht

Noch ein Fotografie-Tipp wenn du deine Kamera auf einem Stativ hast und fotografierst ist: Nutze den Selbstauslöser. Das Problem ist, dass deine Kamera sofort auslöst wenn du den Auslöser drückst. So soll es ja auch sein. Wenn du allerdings von einem Stativ aus fotografierst und deine Verschlusszeit länger eingestellt hast, wackelt deine Kamera beim auslösen leicht. Das siehst du gar nicht mit bloßem Auge – deine Kamera bekommt es aber mit. Und du siehst ein unscharfes Bild wenn du dir das Foto zu Hause ansiehst.

Ich nutze meistens den Selbstauslöser meiner Kamera und stelle ihn dafür auf 2 Sekunden ein. Wenn ich mit ausgefahrener Mittelsäule meines Stativs fotografiere, dann stelle ich den Selbstauslöser sogar auf 5 Sekunden. Denn die Mittelsäule verlängert den „Arm“ des Stativs und wackelt noch ein wenig mehr. Besonders bei Reisestativen ist dies so. Dann also lieber 3 Sekunden mehr warten und auf Nummer sicher gehen.

Mein Tipp: Sobald du mit längeren Verschlusszeiten arbeitest, ist der Selbstauslöser eine perfekte Hilfe um scharfe Fotos schießen zu können. Eine Alternative wäre ein Fernauslöser – bevorzugt ein Funk-Fernauslöser – mit dem du den Auslöser deiner Kamera nicht betätigen musst.

Grund 7: Deine Blende ist zu weit geschlossen

Ich dachte ja immer: Je weiter man die Blende eines Objektivs schließt, desto mehr Tiefenschärfe erhält man. Heißt: Je geschlossener die Blende, desto gleichmäßig Scharf wird das Bild und das Bokeh verschwindet. Aber ich habe mich geirrt. Denn: Ab einem Punkt hat man zwar kein Bokeh mehr (und dafür mehr Tiefenschärfe), dafür wird das Bild unscharf.

Jedes Objektiv hat einen Blendenbereich an dem es am schärfsten ist. Dieser liegt oftmals zwischen den Blenden F8 und F11. Alles was darüber hinausgeht macht dein Bild unschärfer. Nicht direkt unscharf, aber man sieht schon einen deutlichen unterschied. Das habe ich selber auch schon getestet.

Mein Tipp: Blende nicht zu weit ab. Außerdem macht es Sinn, seine Objektive kennenzulernen. Am besten gehst du dafür raus und schießt ein paar Fotos. Und dabei machst du einfach mal eine Reihe mit verschiedenen Blenden. Angefangen bei weit geöffneter Blende bis hin zur geschlossenen Blende. Am Computer kannst du dir dann anschauen wo die beste Abbildungsleistung deines Objektivs liegt und in Zukunft nicht mehr weiter abblenden…

Schließt du die Blende deines Objektivs zu weit, wird dein Foto unscharf
Schließt du die Blende deines Objektivs zu weit, wird dein Foto unscharf

Grund 8: Das ISO-Rauschen

Ein weiterer Grund für verschwommene bzw. unscharfe Fotos ist das ISO-Rauschen. Das heißt: Dein Bild ist eigentlich gar nicht wirklich unscharf, sondern hat nur eine starke Körnung. Das kommt dann vor, wenn dein ISO-Wert zu hoch eingestellt wurde. In Zeiten von Kameras, in denen ISO-Werte bis in den 6-stelligen Bereich gehen verlockt diese Möglichkeit natürlich. Ich versuche immer auf ISO100 zu fotografieren. Das heißt: Der Sensor der Kamera ist nicht wirklich lichtempfindlich (je höher der ISO-Wert, desto lichtempfindlicher ist der Sensor), aber das ISO-Rauschen und die sogenannte Bildkörnung ist fast gleich 0. Geringer geht es eigentlich gar nicht mehr.

Dafür brauche ich oft ein Stativ, vor allem in Lost Places. Weil ich die Verschlusszeit erhöhen muss. Eine andere Möglichkeit wäre die Blende zu öffnen, allerdings hat man dann wieder das Problem mit der Tiefenschärfe. Manchmal möchte ich ein Bild von vorne bis hinten gleichmäßig scharf haben. Dann stelle ich den ISO-Wert auf 100, die Blende auf einen Wert zwischen F8 und F11 und regle die Belichtung nur noch über die Verschlusszeit. Die fällt zwar dann höher aus, was aber dank Stativ kein Problem ist.

Mein Tipp: Fotografiere mit dem möglichst kleinen ISO-Wert. Manchmal ist das halt nicht möglich, weil man kein Stativ zur Hand hat. Aber dann sage ich mir immer: Lieber eine leichte Körnung im Bild als gar kein Bild!

Unscharfe Fotos nachschärfen – Die Nachbearbeitung

Unscharfe Fotos sind unscharfe Fotos. Wenn dein Bild komplett unscharf ist, lässt sich hier auch leider so gut wie kaum etwas dran machen. Wenn es allerdings um Kleinigkeiten geht, kann man sehr wohl noch was machen. Bearbeitungsprogramme wie Adobe Lightroom und Photoshop haben bieten Werkzeuge, mit denen sich Bilder nachschärfen lassen. So gut wie jedes Bild welches ich veröffentliche wurde nochmal nachgeschärft. Um das bestmögliche Ergebnis rauszuholen. Das heißt aber nicht dass die Bilder vorher unscharf waren! Ich habe lediglich mithilfe der Software noch ein wenig mehr rausgeholt und das Bild optimiert.

Komplett unscharfe Fotos zu schärfen ist leider nicht möglich. Zwar wurde das Motiv eingefangen, jedoch wurde es auf den Sensor „gebrannt“. Wenn du zum Beispiel ein fahrendes Auto fotografiert hast und es aufgrund der Bewegungsunschärfe unscharf ist, wirst du es mit keiner Software der Welt schaffen das Auto scharf darstellen zu können. Aber hey: Dann nimmst du dir deine Kamera und gehst weiter fotografieren! Übung macht den Meister!

Manchmal sind Bilder nicht zu 100% scharf – und trotzdem sehen sie gut aus

Hast du gewusst dass ein Bild nicht immer zu 100% scharf sein muss? Ich hab mit Sicherheit auch schon das ein oder andere Bild veröffentlicht, bei dem niemand denken würde, dass der Fokus nicht zu 100% sitzt. Ist aber so. Denn: Ich veröffentliche meine Bilder im Web. Bis auf in meinem Urbex-Kalender 2018 und an meiner Wand gibt es keinen gedruckten Bilder von mir. Und im Web haben wir sowieso in der Regel eine kleinere Auflösung als unsere Kamera die Bilder ausspuckt.

Das Foto ist nicht zu 100% scharf - was aber bei der Auflösung nicht aufällt
Das Foto ist nicht zu 100% scharf – was aber bei der Auflösung nicht aufällt

Das heißt: Sie werden von den Maßen nochmal verkleinert. Schaust du dir ein Bild deiner Kamera auf deinem Rechner an, sind selbst die Bilder, die scharf aussehen, nicht immer zu 100% scharf. Das fällt aber nur dann auf, wenn du in die Bilder zoomst und sie vergrößerst – also nur einen Ausschnitt siehst. Das macht aber eigentlich so gut wie niemand im Web, weil man das Bild als ganzes betrachten möchte.

Wenn du also in deiner Foto-Software dein Bild betrachtest und meinst es wäre nicht zu 100% scharf, kannst du es nachschärfen. Wenn du dann immer noch nicht zu 100% zufrieden bist, dann exportiere es einfach mal auf einer Größe, die im Web für Bilder normal ist. Das wäre zum Beispiel 1024×768 oder 2048×1152. Dass sind die Maße in denen ich meine Bilder immer exportiere. Und du wirst feststellen, dass man die Unschärfe gar nicht mehr so doll sieht – wenn sie überhaupt noch zu sehen ist.

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Über Christian

Begeistert von Lost Places, Fotografie und Videografie – alles miteinander zu verbinden ist mein großes Hobby! Mit Lost-Place.org betreibe ich einen Blog rund um Lost Places, wo ich aber nicht nur meine Fotos und Videos veröffentlichen möchte, sondern auch gerne Tipps zu Lost Places gebe.

3 Kommentare

  1. Nice article, but can you also give advice how to focus in (very) poor light conditions (that we have often in urbex locations)? I read somewhere to use a laser pointer (with display figure) for that.

    • Hey Jan,

      my favorite tip for poor light conditions is: use a flashlight! use it to search for a good focus-point, focus on it and hold the focus (or focus manually) 🙂

  2. Sehr guter informativer und vor allem verständlicher Artikel. Werde mir einige Punkte mal zu Herzen nehmen und üben. 🙂
    Danke

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