Hochformat vs. Querformat: Die Wirkung von Bildern

Ein nebliger Wald im Hochformat fotografiert
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Wenn man seine erste Kamera in den Händen hält, passiert es automatisch: Wir nehmen im Querformat auf. Aber nicht immer ist das Querformat angebracht und wir müssen die Kamera drehen um im Hochformat zu fotografieren. Aber was ist besser? Und vor allem: Wann wendet man was an? Eins vorweg: Es kommt auf dein Motiv an und darauf, wie dein Bild wirken soll. Denn die Bildwirkung ist später entscheidend darüber, ob dein Bild gelungen ist oder nicht.

Ich möchte dir zuerst zwei Beispiel-Fotos zeigen. Diese beiden Fotos wurden von der gleichen Position aufgenommen, wirken aber dennoch beide unterschiedlich. Denn: Das eine ist im Querformat aufgenommen worden, das andere im Hochformat. Ich möchte dir somit sofort demonstrieren, wie stark der Unterschied des gleichen Motivs sein kann, wenn man nur mal das Format ändert.

Und? Hast du den unterschied der beiden Bilder bemerkt? Nun, das Foto im Hochformat wirkt besser. Denn hier sind die Bäume nicht abgeschnitten, sie wirken massiver. Und auch der Weg wirkt nun viel „tiefer“ und „länger“. Es scheint so, als führt er ins nirgendwo. Wobei der Nebel bei der Bildwirkung behilflich ist.

Hochformat oder Querformat? Das Motiv ist die Lösung!

Zuerst müssen wir wissen, dass das Querformat unserer natürlichen Sicht gleicht. Unsere Augen sind nebeneinander angeordnet und haben ein breiteres Sichtfeld als es hoch ist. Wir sympathisieren also schon aus natürlichen Gründen mit dem Querformat. Außerdem sind auch viele Dinge aus unserem täglichen Leben im Querformat: Das Fernsehen zum Beispiel! Filme werden immer im Querformat aufgenommen. Auch unser PC-Monitor ist im Querformat. Wir sind also an dieses Format gewohnt.

Allerdings heißt dies nicht, dass man auch unbedingt auf dieses Format zurückgreifen muss. Und es braucht eigentlich auch nicht viel Mut um im Hochformat zu fotografieren. Man muss sich letztlich nur Gedanken über sein späteres Bild machen.

Vorteile vom Querformat

Das Querformat ist beliebt in der Fotografie. Schon alleine der Aufbau einer Spiegelreflexkamera oder Systemkamera verleitet dazu. Sie ist nämlich für ein Foto im Querformat aufgebaut. Aber auch weil es für den Betrachter extrem beruhigend ist ein Foto im Querformat zu sehen. Denn das Auge des Betrachters wandert von Links nach Rechts und somit in der gewohnten Leserichtung.

Ein weiterer Vorteil vom Querformat ist, dass du viele Informationen in der horizontalen aufs Bild bekommst. Dies ist zum Beispiel oft bei Architekturfotos, Landschaftsaufnahmen und Fotos von Innenräumen vom Vorteil. Auch die meisten meiner Fotos von Lost Places nehme ich im Querformat auf, um in der Totalen Ansicht mehr aufs Bild zu bekommen. So wird der Raum den ich fotografiere deutlich größer und imposanter. Und auch das Foto!

Hier passte das Querformat besser - denn der Raum war breit, aber nicht hoch
Hier passte das Querformat besser – denn der Raum war breit, aber nicht hoch

Vorteile vom Hochformat

Das Hochformat ist im Umkehrschluss nicht unser gewohntes Sichtfeld. Und das können wir uns zunutze machen, indem wir mit diesem Format spielen und experimentieren. Das gute am Hochformat ist, dass es besonders die vertikalen Linien unterstützt. Somit können hohe Gebäude und Bäume perfekt abgelichtet und dargestellt werden. Sie wirken zudem deutlich imposanter auf Fotos im Hochformat.

Auch lange Straßen oder Wege – also alle vertikalen Linien, auch wenn sie in die Tiefe des Bildes verlaufen – können wunderbar visualisiert werden. Der Betrachter steigt so viel mehr in das Bild hinein.

Die verlassene Kirche hat hohe Decken - weshalb sie auf dem Hochformat auch besser wirkt
Die verlassene Kirche hat hohe Decken – weshalb sie auf dem Hochformat auch besser wirkt

Wann eignet sich welches Format?

Es gibt keine Grundregel dass man bei Landschaftsfotografien das Querformat nutzen muss. Denn als Fotograf hat man hier jede Freiheit die man möchte. Aber: Es gibt nunmal Dinge, die einfach besser im Hochformat oder im Querformat wirken. Und deshalb werden sie meistens auch dafür genutzt. Ich möchte dir folgend zwei kleine Listen mit an die Hand geben, wofür man die beiden Formate gerne benutzt. Denk aber dran: Du musst dich nicht dran halten. Es ist dein Bild. Und wenn du eine Bildidee hast, dann setze sie auch so um wie du magst.

Das Querformat wird gerne genutzt für…

  • …Landschaftsfotografie
  • …Reisefotografie
  • …Innenaufnahmen
  • …Lost Places
  • …Stilleben
  • …Straßenfotografie
  • …Hochzeitsfotografie

Das Hochformat wird gerne genutzt für…

  • …Porträts
  • …Naturfotografie
  • …Straßenfotografie
  • …Landschaftsfotografie
  • …Reisefotografie

Ja, es gibt Überschneidungen. Denn zum Beispiel ist nicht jedes Gebäude gleich. Ein gutes Beispiel habe ich aus meiner eigenen Fotosammlung: Die Wuppertaler Stadthalle. Sie ist breiter als hoch und bietet sich somit perfekt für das Querformat mit einem Weitwinkel-Objektiv an (in meinem Fall das Sony SEL 10-18mm F4 OSS auf meiner Sony Alpha a6300). Schau dir das Bild mal an.

Die historische Stadthalle in Wuppertal - fotografiert im Querformat
Die historische Stadthalle in Wuppertal – fotografiert im Querformat

Und jetzt stell dir mal vor, ich hätte dieses Gebäude im Hochformat fotografiert. Würde das nicht komisch aussehen? Ich finde schon. Und deswegen habe ich es gelassen. Es gibt aber Gebäude, die muss man einfach im Hochfomat fotografieren – weil sie deutlich höher sind und die vertikalen Linien dann die Augen des Betrachters durch das Foto führen.

Fazit: Übe und trainiere dein Auge

Ja, manche Bilder wirken nur im Hochformat – wie zum Beispiel hohe Gebäude oder Bäume. Oder in der Regel auch lange Straßen. Und manche auch nur Querformat – wie Landschaften. Deswegen sollte man als Fotograf das Auge haben, welches Format besser passen würde. Und genau deshalb solltest du auch ständig üben. Schnapp dir deine Kamera und mache Fotos. Und wenn du dir nicht sicher bist, schieße ein Foto vom selben Motiv mit in den beiden unterschiedlichen Formaten – und entscheide später, welches besser wirkt und welches dir besser gefällt. So kannst du dein Auge trainieren und irgendwann immer den richtigen Blick haben, welches Format besser wirkt und in welchem Format du dein Foto schießt.

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