Langzeitbelichtung: Der Weg zur perfekten Langzeitbelichtung

An einem Wasserfall wird die Langzeitbelichtung sehr deutlich
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Die Langzeitbelichtung ist ein Hilfsmittel in der Fotografie, um mehr Licht auf den Sensor zu bekommen. Man spricht von einer Langzeitbelichtung, wenn man die Verschlusszeit erhöht und den Verschluss vor dem Sensor länger geöffnet lässt. Dadurch kannst du auch in dunklen Umgebungen und auch Nachts schöne Fotos schießen. Aber: Auch Tagsüber ist die Langzeitbelichtung mit einigen Griffen möglich und ermöglicht dir so kreative Fotos mit mehr Dynamik. Ich möchte dir erklären was die Langzeitbelichtung ist, was du zu beachten hast wenn du deine Verschlusszeit erhöhst und wie du tolle Fotos mit ihr schießt.

Die Langzeitbelichtung

Kennst du Fotos, auf denen das Wasser eines Wasserfalls sehr weich aussieht, als würde es im Bild fließen? Oder auf denen Wolken so aussehen, als wenn sie gerade an dir vorbeiziehen? Solche Fotos wurden mit einer längeren Verschlusszeit geschlossen. Doch wie macht man sowas? Das erkläre ich dir heute.

Was ist eine Langzeitbelichtung und wie funktioniert sie?

Der Verschluss deiner Kamera sorgt dafür, dass dein Sensor nur eine bestimmte Zeit lang Licht abbekommt und in dieser Zeit auch das Foto aufnimmt. Die Verschlusszeit kannst du extrem kurz und auch lang einstellen. Eine kurze Verschlusszeit nimmt man in der Regel dann, wenn man sich schnell bewegende Objekte fotografieren möchte, ohne dass sie verwackeln. Und auch bei Porträts, denn dass ein Mensch still steht und sich nicht bewegt ist eher nicht der Fall.

Stellst du die Verschlusszeit länger ein, sprechen wir von einer Langzeitbelichtung. Hierbei zählt aber nicht der Bruchteil einer Sekunde, sondern eine Verschlusszeit ab 1 Sekunde. Dann nimmt der Sensor genau eine Sekunde lang dass Bild auf – und alle Bewegungen, die enthalten sind.

Du kannst die Verschlusszeit aber noch deutlich höher als nur eine Sekunde einstellen. So haben viele Kamera Voreinstellungen für 10, 20 und auch 30 Sekunden sowie einige Zwischenschritte integriert. Mit dem „BULB Modus“ kannst du selber bestimmen wie lang du dein Bild belichten möchtest: Einmal auf den Auslöser gedrückt, wird der Verschluss so lange geöffnet gehalten, bis du erneut auf den Auslöser drückst. Du kannst also auch Langzeitbelichtungen mit mehreren Minuten und gar Stunden aufnehmen.

Das brauchst du für eine Langzeitbelichtung

An erster Stelle steht selbstverständlich eine Kamera, in der du einen manuellen Modus hast und die Verschlusszeit selber einstellen kannst. Das geht nicht nur mit digitalen Spiegelreflexkameras oder mit spiegellosen Systemkameras, sondern auch mit den meisten Bridgekameras und mittlerweile auch schon mit Kompaktkameras und dank Apps auch mit modernen Smartphones.

Wenn du also eine Langzeitbelichtung durchführen möchtest, solltest du darauf achten dass deine Kamera eine manuelle Einstellung der Verschlusszeit unterstützt. Das war es schon – mehr muss die Kamera eigentlich nicht können.

Aber: Es sind noch ein paar mehr Dinge nötig, damit du eine Langzeitbelichtung durchführen kannst. Folgend führe ich dir auf, was du alles brauchst:

  • Stativ
  • ggf. Fernauslöser
  • ggf. Filter

Ganz wichtig: Ein Stativ benutzen

Bei einer Langzeitbelichtung bleibt der Verschluss länger geöffnet, was bedeutet, dass der Sensor das Bild länger „aufnimmt“. Da es niemand schafft seine Kamera für mehrere Sekunden in der Hand zu halten und nicht zu bewegen ist ein Stativ enorm wichtig und Pflicht.

Schon bei einem Bruchteil einer Sekunde (1/30 oder schneller) kann es zu verwacklern kommen. Das wollen wir vermeiden. Ich selber benutze das Stativ „Manfrotto Befree“ und bin enorm zufrieden damit. Zumal es auch kompakt und leicht ist. Allerdings kann die Langzeitbelichtung trotz Stativ verwackeln. Denn: Das Manfrotto Befree ist ein Reisestativ und somit leicht sowie kompakt. Wenn es zu windig ist, kann es also zu leichten Bewegungen und Vibrationen kommen, die dafür sorgen dass die Aufnahme später verwackelt und unscharf ist. Sollte es also zu windig sein, empfiehlt sich ein schwereres Stativ.

Fernauslöser hilft gegen Erschütterungen

Als zusätzliches Zubehör kann ein Fernauslöser helfen. Er ermöglicht es, auszulösen ohne den Auslöser der Kamera zu berühren. Vorteil hier: Durch das betätigen des Auslösers erschüttert die Kamera. Hier gibt der Fernauslöser die perfekte Hilfestellung. Alternativ kann auch einfach der Selbstauslöser auf 2 oder 5 Sekunden eingestellt werden.

Filter für Langzeitbelichtungen am Tag

Besonders am Tag ist eine Langzeitbelichtung eine schwere Aufgabe, denn: Es herrscht viel Licht und wenn wir den Verschluss geöffnet haben, wird das Bild überbelichtet. Die Blende weiter zu schließen kann die eine Möglichkeit sein, ist aber auch nicht immer gewollt oder von Vorteil.

Daher nutzt man ND-Filter (auch Graufilter genannt), die wie eine Sonnenbrille funktionieren. Sie sind abgedunkelt und sorgen dafür dass weniger Licht auf den Sensor tritt. Schraubt man einen ND-Filter auf sein Objektiv (hierbei muss man passende ND-Filter kaufen, mit dem gleichen Filterdurchmesser des Objektivs!), können wir die Verschlusszeit tagsüber erhöhen und erhalten ordentlich belichtete Fotos.

Langzeitbelichtung: Tipps und Tricks

Es gibt viele Einsatzmöglichkeiten der Langzeitbelichtung, egal ob Tag oder Nacht. Ich möchte dir nun einige dieser Einsatzgebiete zeigen und dir einige Tipps geben, wie du nicht nur einfach ein Bild mit einer langen Belichtung schießt, sondern wie du das beste aus dem Foto herausholst.

Langzeitbelichtung mit Wasser

Besonders häufig nutzt man eine Langzeitbelichtung in Verbindung mit Wasser als Motiv. Denn durch die längere Verschlusszeit wirkt das Wasser sehr weich. Das Ergebnis einer Langzeitbelichtung am Wasser kannst du dem folgenden Beispielbild entnehmen.

An einem Wasserfall wird die Langzeitbelichtung sehr deutlich
An einem Wasserfall wird die Langzeitbelichtung sehr deutlich

Ich empfinde Fotos, auf denen Wasserfälle und generell Gewässer mit einer Langzeitbelichtung aufgenommen wurden, als deutlich schöner. Bei mir liegt das daran, dass ich den Effekt mag, der dann dabei rauskommt. Auf dem Beispielbild sieht man deutlich wie das Wasser fließt.

Aber auch bei Flüssen funktioniert die Langzeitbelichtung sehr gut und lässt den Fluss den man im Foto hat, ruhiger aussehen. Auch hierfür habe ich ein Beispielbild. Zusehen ist die „Liberty Bridge“, die über die Donau verläuft.

Die Donau wirkt dank Langzeitbelichtung ruhiger
Die Donau wirkt dank Langzeitbelichtung ruhiger

Langzeitbelichtung in der Nacht

Ich persönlich liebe es am späten Abend und in der Nacht zu fotografieren. Die Alltagshektik ist vorüber und scheint vergessen. Man hat deutlich mehr Ruhe. Und ich finde auch Fotos, die Abends geschossen wurden, wirken deutlich eindrucksvoller. Das liegt meiner Meinung nach an den Lichtern, mit denen man am Abend arbeitet. Sie ergeben eine komplett andere Stimmung, wie wenn du das gleiche Motiv tagsüber fotografieren würdest.

Nachts ist aber meistens auch zu wenig Licht vorhanden um aus der Hand fotografieren zu können. Die Verschlusszeit muss höher eingestellt werden und schon sitzt unsere Kamera wieder auf einem Stativ. Ich setze Spätabends und Nachts auf die Langzeitbelichtung. Somit bekomme ich eine gute Belichtung hin.

Das Wasserschloss in Hamburg habe ich Nachts mit einer Langzeitbelichtung von 30 Sekunden fotografiert
Das Wasserschloss in Hamburg habe ich Nachts mit einer Langzeitbelichtung von 30 Sekunden fotografiert

Das obige Bild vom Hamburger Wasserschloss in der Speicherstadt wurde mit einer Verschlusszeit von 30 Sekunden aufgenommen. Es war schon später am Abend und aus der Hand hätte ich es nicht ordentlich fotografieren können.

Zwar sind die umliegenden Gebäude und auch das Wasserschloss selber beleuchtet, allerdings fehlt an einigen anderen Ecken das Licht. Auf den Brücken zum Beispiel. Damit diese aber nicht zu dunkel auf dem Foto sind, muss ich mehr Licht einfangen – oder das vorhandene Licht länger auf den Sensor prallen lassen. Also: Längere Verschlusszeit nehmen!

Langzeitbelichtung am Tag

Tagüber ist meistens mehr als genug Licht vorhanden, dass keine Langzeitbelichtung nötig ist. Trotzdem wendet man sie sehr häufig auch tagsüber an. Zum Beispiel um Wasser weicher wirken zu lassen oder um den vorbeiziehenden Wolken im Foto mehr Dynamik zu geben.

Aber: Es ist ausreichend Licht vorhanden und eine Langzeitbelichtung würde dazu führen, dass dieses Licht länger auf den Sensor prallt. Somit wäre das Bild überbelichtet. Um dem entgegenzuwirken, habe ich weiter oben im Text schon geschrieben dass man ND-Filter (oder auch „Graufilter“ genannt) nutzt, um weniger Licht einfallen zu lassen. Sie funktionieren dabei wie eine Sonnenbrille und lassen nur einen Teil des Lichtes durch. Und schon können wir die Verschlusszeit ohne Probleme erhöhen.

Tagsüber nutzt man einen Filter um weniger Licht auf den Sensor durchzulassen
Tagsüber nutzt man einen Filter um weniger Licht auf den Sensor durchzulassen

Es gibt verschiedene Stärken an ND-Filtern. Ich habe mir mit der Zeit eine kleine Sammlung angeschafft, die ich bei Landschaftsfotos auch ab und zu mitschleppe – aber eben nur für die Objektive, die ich auch dabei habe. Filter wiegen nicht wirklich was und nehmen auch nicht viel Platz im Fotorucksack weg.

Allerdings muss man sich im klaren sein, dass gute Filter auch etwas kosten. Und nicht nur das: Je nach Objektiv, ist der Filterdurchmesser entsprechend groß – was den Preis in der Regel auch nochmal anhebt.

Kameraeinstellungen für die perfekte Langzeitbelichtung

Wer die richtigen Einstellungen hat und einstellt, bekommt auch ein sehr gutes Ergebnis. Weil die längere Verschlusszeit uns unter umständen viel Zeit kosten kann (je nach Länge), sollte schon von Anfang an darauf geachtet werden dass die Einstellungen optimal gewählt worden sind. Da die Einstellungen natürlich auch immer Motivbezogen und auch von deiner Idee hinter dem Bild abhängen, möchte ich dir folgend nur ein paar Möglichkeiten aufzeigen und dir den ein oder anderen Tipp geben, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

  • ISO: 100 (oder geringer wenn möglich)
  • Blende: Je nach Motiv/Idee
  • Verschlusszeit: Je nach Motiv/Idee
  • Bildstabilisator deaktivieren!

Du merkst schnell, dass es keine allgemeine Einstellungen gibt, die man bei einer Langzeitbelichtung einstellt. Die einzigen beiden Dinge, die sich nie ändern sind der ISO-Wert, welchen wir so gering wie möglich einstellen und die Deaktivierung des Bildstabilisators (da wir von einem Stativ aus fotografieren).

Die Blende

Die Blende wählst du nach deiner Idee und deinem Motiv aus. Mit ihr kannst du die Tiefenschärfe, die generelle Schärfe und auch die Helligkeit beeinflussen. Entsprechend solltest du deine Blende wählen. Wenn ich Langzeitbelichtungen in der Landschaftsfotografie nutze, schließe ich die Blende meistens und fotografiere irgendwo zwischen F8 und F13. So bekomme ich eine ordentliche Schärfe und eine hohe Tiefenschärfe hin – und das gesamte Bild ist schön scharf.

Die Verschlusszeit

Auch hier muss man sich vorher Gedanken machen, wie das Bild am Ende aussehen soll. Und vor allem: Was fotografiert werden soll. Denn: Je nach Motiv und Idee muss die Verschlusszeit angepasst werden. Möchtest du sich bewegendes Wasser ruhig darstellen, dann muss die Verschlusszeit höher gewählt werden.

Wenn du Wolken fotografieren möchtest, richtet sich die Verschlusszeit auch ein wenig nach der Windgeschwindigkeit. Denn: Je geringer die Windgeschwindigkeit, desto langsamer ziehen die Wolken an dir vorbei. Und dann musst du die Verschlusszeit länger einstellen. Aber auch nur so, wie du das Bild gerne haben möchtest. Nicht immer will man komplette Wolkenspuren am Himmel sehen.

Die sich bewegenden Wolken bringen ein bisschen mehr Dynamik ins Bild
Die sich bewegenden Wolken bringen ein bisschen mehr Dynamik ins Bild

Tipps gegen das Rauschen bei einer Langzeitbelichtung

Das gute alte Rauschen ist ein Grundproblem in der Fotografie. Wir schießen ein Foto, auf dem Bildschirm der Kamera sieht es noch gut aus. Aber dann, auf dem heimischen Monitor erkennen wir das Rauschen. Doch wie kannst du das Bildrauschen bei einer Langzeitbelichtung unterdrücken? Ich möchte es dir verraten – denn es ist wirklich einfach!

Richtig belichten

Grundvoraussetzung Nummer 1 ist, dass wir das Bild richtig belichten. Du solltest also schon von Anfang an die richtigen Einstellungen wählen, damit das Bildrauschen in der Nachbearbeitung nicht begünstigt wird. Das geschieht vor allem dann, wenn das Bild zu dunkel ist und du es aufhellst. Egal ob du es über den Regler „Belichtung“, über die Tiefen oder über den Regler „Schwarz“ machst: Eine spätere Aufhellung am Computer sorgt für mehr rauschen. Dann lieber etwas zu hell belichten und das Bild im Nachgang abdunkeln.

Aktiviere die Rauschunterdrückung

Viele moderne Kameras bieten mittlerweile eine sogenannte Rauschunterdrückung an. Manchmal heißt sie auch „Rauschminderung“ oder „Rauschreduzierung“. Es kommt auf den Hersteller an – jeder Hersteller benennt seine Technik anders.

Ich habe diese Funktion in meiner Sony Alpha a6300 ständig aktiviert. Ob es jetzt ein besseres oder schlechteres Ergebnis bringt, habe ich ehrlich gesagt noch nicht getestet. Man ließt allerdings an vielen Stellen des Internets, dass es einiges bringen soll.

Halte den ISO-Wert so gering wie möglich

Das ISO-Rauschen tritt besonders bei höheren ISO-Werten auf. Je höher der ISO-Wert, desto höher die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Und somit auch ein stärkeres Rauschen. Ich versuche den ISO-Wert meiner Kamera stets auf ISO100 zu lassen, damit das Bildrauschen kein Thema mehr für mich ist.

Rauschreduzierung des RAW-Konverters nutzen

Zuletzt gehe ich in Lightroom her und schärfe das Bild nach. Ein Schritt, den ich bei jedem fotografiertem Bild mache. Anschließend nutze ich noch die in Lightroom integrierte Rauschreduzierung um das Rauschen, welches man eigentlich kaum sieht, weiter zu reduzieren.

Machen mir persönlich viel Spaß: Langzeitbelichtungen
Machen mir persönlich viel Spaß: Langzeitbelichtungen

Fazit

Die Langzeitbelichtung ist eine tolle Sache: Wir können Nachts fotografieren und tolle Motive einfangen, obwohl wenig Licht vorhanden ist. Wir können Gewässer extrem ruhig und fließend darstellen. Und wir können Wolken so aussehen lassen, als ziehen sie an uns vorbei. Ich liebe die Langzeitbelichtung! Allerdings braucht man dafür immer etwas mehr Zeit, als wenn man aus der Hand fotografiert, denn moderne Kameras können nicht nur 10, 20 oder 30 Sekunden belichten, sondern dank der BULB-Funktion auch deutlich länger. Da wir die Kamera für diesen Zeitraum absolut Still halten müssen, ist ein Stativ Pflicht. Und dann wären da noch die Einstellungen: Sie müssen vorher richtig eingestellt sein, damit wir ein perfektes Ergebnis bekommen. Nicht zu vergessen wäre da die Deaktivierung des Bildstabilisators um schärfere Fotos als Ergebnis zu bekommen.

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1 Kommentar
  1. Basti schreibt:

    Ich bin ein großer Fan von Langzeitbelichtungen. Gerade der Sterneffekt lässt sich super kreativ einsetzen. Ich hab gesehen, dass du das Manfrotto BeFree nutzt. Ich selbst bin vor nicht allzu langer Zeit zum Rollei C6i Carbon umgestiegen. Einerseits ists etwas größer, andererseits ist es wirklich angenehm zu transportieren.
    Gerade wenn ich unterwegs bin macht Carbon schon einen ordentlichen Unterschied.

    Grüße Basti

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