Lost Places richtig fotografieren: Perspektiven

Immer die richtige Perspektive finden!

Auch Einrichtungen wie diese Orgel eignen sich perfekt für schöne Detailaufnahmen
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Lost Places sind tolle Orte an denen man atemberaubende Fotos schießen kann. Aber auch nur, wenn man die Locations richtig abbilden kann. Ich möchte dir ein paar Anregungen und Tipps geben, wie du Lost Places fotografieren kannst und welche Perspektiven dir helfen, noch mehr aus deinen Fotos rauszuholen.

Nachdem ich schon geschrieben habe, mit welchen Objektiven man Lost Places fotografieren kann und welche sich meiner Meinung nach anbieten um die Locations zu fotografieren, möchte ich in diesem Beitrag auf die Perspektiven eingehen. Denn einfach draufhalten ist nur selten die beste Möglichkeit, eindrucksvolle Fotos zu schießen.

Die richtige Perspektive wählen

Die halbe Miete eines guten Fotos ist die richtige Perspektive und der richtige Bildwinkel. Denn damit beeinflusst du die Wirkung deines Fotos und deines Motivs. Besonders in verlassenen Orten finde ich den richtigen Bildwinkel und die richtige Perspektive von hoher Wichtigkeit. Doch leider sehe ich in Communitys und Facebook-Gruppen immer mehr Fotos, bei denen einfach „draufgehalten“ wurde.

„Die eine richtige Perspektive“ gibt es nicht. Es kommt immer auf den Fall drauf an. Und wie einem selbst das Foto gefällt. Denn letztlich ist es immer so: Euch muss das Foto gefallen. Ihr müsst damit zufrieden sein. Denn es ist euer Foto.

Es gibt allerdings ein paar „Regeln“. Zum Beispiel dass man auf Linien achtet und diese nutzt. Mit ihnen kann man den Blick des Betrachters führen. Das muss aber nichts zwingendes mit der Perspektive zu tun haben – sondern oft nur in Orten, die symmetrisch sind.

Die Zentralperspektive

Die Zentralperspektive ist die Perspektive, bei der man mittig vom Raum steht. Sie zeichnet sich durch ihre Symmetrie aus. Das schöne an ihr ist, dass sogenannte Fluchtlinien bzw. „Motivlinien“ entstehen, die zu einem Fluchtpunkt im Bild verlaufen. Ein gutes Beispiel ist hierfür das folgende Bild aus dem Theatre Jeusette in Belgien.

Das Theatre Jeusette in Belgien
Das Theatre Jeusette in Belgien

Ich stehe dort genau mittig. Die Kanten der Wände verlaufen zu einem Punkt bzw. zu einer Fläche – in dem Fall zur Bühne – und lenken so die Augen und den Blick des Betrachters.

Die Motivlinien lenken den Blick des Betrachters
Die Motivlinien lenken den Blick des Betrachters

Bei der Zentralperspektive verläuft die Horizontlinie parallel mit dem oberen und unteren Bildschirmrand. Das ist enorm wichtig! Ansonsten „kippt“ das Bild.

Vertikale und horizontale Linien sollen bei der Zentralperspektive parallel zur Bildgrenze verlaufen: Stürzende Linien werden meistens vermieden. Entweder schon beim fotografieren (zum Beispiel mit einem Shift-Objektiv) oder in der Nachbearbeitung.

Die Diagonalperspektive

Eine ebenfalls sehr wichtige Perspektive fürs fotografieren verlassener Orte ist die Diagonalperspektive. Bei ihr liegt der Fluchtpunkt am linken oder rechten Bildschirmrand. Mit ihr können auch Innenräume fotografiert werden, allerdings finde ich persönlich die Diagonalperspektive nur dann geeignet, wenn der Raum nicht symmetrisch ist.

Hierzu habe ich mal ein Bild vom verlassenem Bordell genommen um die Diagonalperspektive zu verdeutlichen. Man sieht auf dem Foto, dass es nicht von der Mitte des Raumes aufgenommen wurde und es leichte Fluchtlinien gibt, die zum rechten Bildrand zeigen.

Im verlassenem Bordell habe ich die Diagonalperspektive genutzt
Im verlassenem Bordell habe ich die Diagonalperspektive genutzt

Mit der Diagonalperspektive kann man Räumlichkeiten sehr gut einfangen und darstellen. Vorteilhaft bei ihr ist, dass man nicht die Symmetrie in den Vordergrund stellt, sondern das Interieur des Raumes oder die Aufteilung des Raumes.

Eingezeichnete Fluchtlinien: Man erahnt, wo sie sich treffen werden
Eingezeichnete Fluchtlinien: Man erahnt, wo sie sich treffen werden

Die Froschperspektive

Manchmal wirken Fotos einfach besser wenn sie nicht aus der Augenhöhe fotografiert worden sind, sondern von einem deutlich tieferem Punkt aus. Das ganze nennt sich die „Froschperspektive“. Das gute an der Froschperspektive ist, dass dein Motiv deutlich größer oder länger wirkt. Eine Treppe zum Beispiel wird durch die Froschperspektive, bei der deine Kamera tief steht und nach oben geneigt wird, extrem lang.

Ein anderes gutes Beispiel ist das folgende Bild vom Panzerfriedhof. Durch die niedrigere Position der Kamera wirkt der Panzer deutlich größer bzw. massiver.

Dank der Froschperspektive wirkt der Panzer massiver und größer
Dank der Froschperspektive wirkt der Panzer massiver und größer

Allerdings ist die Froschperspektive nicht für jedes Motiv geeignet, vor allem nicht in verlassenen Orten. Denn nicht jeden Motiv muss größer wirken als es ist.

Detailaufnahmen

Keine wirkliche Perspektive, aber dennoch nicht zu vergessen sind die Detailaufnahmen. Zwar befinden wir uns in Räumlichkeiten, wenn wir einen verlassenen Ort besuchen, allerdings gibt es viel mehr als nur die Räume zu entdecken. Ich bin mittlerweile ein großer Fan von Detailaufnahmen in verlassenen Orten. So kann man gewisse Dinge hervorheben und darstellen.

Details machen einen verlassenen Ort erst schön
Details machen einen verlassenen Ort erst schön

Auch hier eignet sich das verlassene Bordell wunderbar als Beispiel. Denn dort standen noch viele Schuhe der Damen herum, es gab einige weitere Dinge wie Kondome, Handtaschen, Kosmetikprodukte und Kleidung finden. Diese Rückstände in einigen Lost Places sind tolle Motive, die gleichzeitig aber Geschichten erzählen. Daher sind sie für jeden Lost Place Fotografen ein muss!

Auch Einrichtungen wie diese Orgel eignen sich perfekt für schöne Detailaufnahmen
Auch Einrichtungen wie diese Orgel eignen sich perfekt für schöne Detailaufnahmen

Zu den Details zählen aber nicht nur zurückgebliebene Dinge, sondern auch Details des Ortes selber, wie zum Beispiel die Einrichtung. Zum Beispiel die Tasten der Orgel aus dem Monastery Mont G.

Fazit

Kamera aufs Stativ und losknipsen war gestern. Verlassene Orte haben zwar schon einen besonderen Charme, den man aber besser mit verschiedenen Perspektiven festhalten kann. Zum Beispiel mit der Froschperspektive, mit der man dinge größer und länger wirken lassen kann. Dabei steht die Kamera nah am Boden und wird nach oben geschwenkt. Oder auch mit der Zentralperspektive, bei der mit Linien gespielt und auf Symmetrie geachtet wird.

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