Fotografieren lernen #001: Die Blende

Auch eine Festbrennweite gehört in die Fotoausrüstung eines Urbexers
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Mit dem ersten Teil meiner Serie „Fotografieren lernen“ geht es um die Blende. Denn: Die Blende eines Objektivs ist ein sehr wichtiges Element und sorgt unter anderem dafür, wie viel Licht auf einen Sensor kommt. Welche Auswirkungen die Blende auf unser Foto bzw. auf das Bild hat, erkläre ich in diesem Teil der Serie. Ich persönlich finde, dass die Blende nicht nur das erste ist was man in der Fotografie kennenlernen sollte, sondern denke ich auch dass die Blende das wichtigste Element ist, wenn man seine Spiegelreflexkamera und seine Objektive verstehen möchte.

Doch was ist „die Blende“? Ich versuche mich mal kurz zu halten: Die Blende ist eine Öffnung im Objektiv und kann stufenweise weiter geöffnet oder auch geschlossen werden. Je weiter ich die Blende eines Objektivs öffne, desto mehr Licht fällt auf den Sensor der Spiegelreflexkamera. Schließe ich die Blende, fällt demnach auch weniger Licht auf den Sensor. Die Blende wird über die Blendenzahl „f“ angegeben, also zum Beispiel f1.8, f2.8, f4, f5.6 oder auch f8. Dabei gilt sich zu merken: Je größer die Blendenzahl, desto weiter ist die Blende geschlossen, die Öffnung wird also kleiner. Je kleiner die Blendenzahl, desto mehr ist die Blende im Objektiv geöffnet und desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Beispiel: Unterschiedliche Blendenwerte und die Größe ihrer Öffnung
Beispiel: Unterschiedliche Blendenwerte und die Größe ihrer Öffnung

Die Blende besteht aus mehreren Lamellen und ist ein Bestandteil des Objektivs. Das heißt: Sie sitzt nicht in deiner Spiegelreflexkamera (oder deiner spiegellosen Kamera), sondern in deinem Objektiv.

Die Objektive unterscheiden sich und sind manchmal sehr Lichtstark und manchmal nicht so Lichtstark. Lichtstark bedeutet: Du kannst die Blende des Objektivs weit öffnen. Das kann aber nicht jedes Objektiv. So habe ich zum Beispiel zwei Festbrennweiten-Objektive (das Sony 35mm F1.8 und das Sony 50mm F1.8), welche beide die Blende bis F1.8 öffnen können. Das heißt: Da geht schon einiges an Licht durch und trifft auf den Sensor.

Ich habe aber auch Objektive, wie zum Beispiel das Sigma 10-20 F3.5, welches eine durchgängige Blende von F3.5 als maximale Öffnung besitzt. Beim Kauf eines Objektivs kannst du anhand des Artikelnamens oder der Artikelbeschreibung – oder auch anhand des Objektivs selber – sehen was die maximal geöffnete Blende ist. Diese steht meistens immer im Artikelnamen oder in der Beschreibung, sollte aber immer auf dem Objektiv stehen. Hierbei wird in der Regel nur die größte Blende (also die kleinste Blendenzahl) angegeben. Die kleinste Blende (also die größte Blendenzahl) kannst du aus der Artikelbeschreibung oder beim Hersteller herausfinden. Die meisten Objektive gehen aber in der Regel weiter als Blende f16, manchmal sogar bis Blende f22 oder gar f32. Deine Objektive müssen also nicht zwangsweise bei f1.8 anfangen.

Was du dir merken solltest:

  • Je kleiner die Blendenzahl f, desto mehr ist die Blende geöffnet
  • Je weiter die Blende geöffnet ist, desto mehr Licht trifft auf den Sensor
  • Nicht jedes Objektiv hat eine große Blendenöffnung von f1.8 oder f2.8
  • Die kleinste Blendenzahl (und somit die größte Öffnung) findest du immer auf deinem Objektiv

Wie die Blende dein Foto beeinflussen kann

So, jetzt haben wir die Blende kennengelernt, wissen aber nur, dass sie dafür sorgt wie viel Licht auf den Sensor trifft. Das ist aber nicht alles. Denn durch die verschiedenen Einstellungen bzw. Größen der Blendenöffnungen kannst du das Aussehen deines Bildes beeinflussen. Und damit meine ich nicht nur dass du die Helligkeit damit einstellen kannst. Zwar ist das auch zum Teil möglich, doch mit Öffnung oder Schließung der Blende kannst du noch andere Gestaltungsmöglichkeiten an deinen Fotos vornehmen. Welche das sind, zeige ich dir jetzt.

Die Blende beeinflusst die Tiefenschärfe, das sogenannte „Bokeh“

Hast du dich schon immer einmal gefragt, wie man einen unscharfen Hintergrund hinbekommt und das Motiv selber in den Vordergrund legt? So dass nur das Motiv selber scharf ist, alles ringsherum aber total unscharf ist? Das funktioniert in der Fotografie über die Blende! Und beim unscharfen Hintergrund sprechen wir von einem Bokeh, den man vor allem in der Porträtfotografie einsetzt um das Model auf dem Foto in den Vordergrund zu holen. Außerdem lässt sich mit einem Bokeh die Aufmerksamkeit der Betrachter lenken. Die meisten Menschen die sich ein Bild anschauen, schauen sich nämlich den scharfen Bereich eines Fotos an.

Doch wie kann die Blende nun die Tiefenschärfe beeinflussen. Nun, eigentlich ist das ganz einfach: Je weiter du die Blende öffnest (je geringer die Blendenzahl also eingestellt ist), desto unschärfer wird der Hintergrund. Das bedeutet: Der Hintergrund ist bei Fokussierung auf ein Motiv bei Blende f1.8 unschärfer als bei Blende f8.

Ein gutes Beispiel ist dieses Foto: Fotografiert mit Blende F1.8 - der Hintergrund ist unscharf
Ein gutes Beispiel ist dieses Foto: Fotografiert mit Blende F1.8 – der Hintergrund ist unscharf

An dem obigen Foto meines Sony 50mm Festbrennweiten-Objektivs erkennst du was ich meine: Es gibt einen sehr geringen Fokusbereich bei einer weit geöffneten Blende. Der Fokusbereich ist der Bereich der scharf ist. Alles was sich jetzt auf gleicher Höhe mit dem Motiv befindet, ist scharf. Das kannst du sehr gut an meinem Beispiel-Bild erkennen: Das Motiv ist das Sony-Objektiv und super scharf. Aber auch die Holzbank, auf der das Objektiv liegt, ist teilweise scharf – zumindest der Teil, welcher sich im Fokusbereich bzw. auf der Schärfenebene befindet. Die Schärfenebene wird größer, je weiter wir die Blende unseres Objektivs schließen.

Was du dir zum Thema Tiefenschärfe merken solltest

  • Je unschärfer du den Hintergrund haben möchtest, desto weiter musst du die Blende öffnen
  • Wenn du deine Blende weiter öffnest, wird die Schärfenebene (Fokusbereich) kleiner
  • Um den Fokusbereich zu vergrößern musst du

Randunschärfe: Einfach mal die Blende schließen

Da ich persönlich sehr häufig verlassene Orte fotografiere und ich aus diesem Grund im inneren von Gebäuden bin, habe ich mir das Sigma 10-20mm F3.5 zugelegt. Mit einem solchen extremen Weitwinkel lässt viel mehr auf ein Bild abbilden. Ich liebe dieses Objektiv. Was aber negativ ist: Die Randunschärfe. Doch was bedeutet das und wie lässt sich das verringern?

Die Randunschärfe ist etwas ärgerliches. Denn: Die Mitte des Bildes ist scharf, leider aber die Ränder nicht. Das kann passieren und liegt am Objektiv. Man könnte jetzt losgehen und das Objektiv untersuchen lassen wenn die Randunschärfe wirklich stark ist. Denn es kann daran liegen, dass das Objektiv nicht richtig zentriert ist oder einen Schaden hat. Am besten bei auftretender Randunschärfe zum Fotohändler deines Vertrauens gehen und das Objektiv untersuchen lassen.

Sollte mit deinem Objektiv alles in Ordnung sein – und dass wird es in den meisten Fällen, dann gebe ich dir einen Tipp, wie du die Randschärfe einfach in den Griff bekommst: Wähle eine kleinere Blende – schließe also deine Blende. Somit musst du zwar die Verschlusszeit anpassen (dazu komme ich im zweiten Teil), aber die Randunschärfe verschwindet. Ich habe für meine Objektive herausgefunden wo sie am schärfsten sind und fotografiere dann meistens mit diesen Blenden – wenn ich nicht unbedingt ein weiches Bokeh brauche.

Am linken und rechten Rand erkennt man die angesprochene Randunschärfe
Am linken und rechten Rand erkennt man die angesprochene Randunschärfe

Tipp: Der Modus A deiner Kamera für eine manuelle Blende

Deine DSLR hat verschiedene Modis. Meistens stellt man sie mit einem Drehrad an der Kamera ein. Unter anderem gibt es zum Beispiel den Modus „M“ und auch einen Modus „P“. Doch was bedeuten diese Modi eigentlich? Der folgenden Liste habe ich dir die 4 wichtigsten DSLR-Modi aufgeführt.

  • Modus M: „Manuell“ – Manuelles einstellen durch den Fotografen (also dich!)
  • Modus P: „Programmautomatik“ – Automatische Einstellungen durch die Kamera
  • Modus S: „Zeitpriorität“ – Manuelles einstellen der Verschlusszeit (also dich!)
  • Modus A: „Blendenpriorität“ – Manuelles einstellen der Blende durch den Fotografen (also dich!)

Der Modus A dürfte nun, nachdem du viel über die Blende in der Fotografie gelernt hast, interessant für dich sein. Denn damit kannst du nun ein wenig rumspielen. Das empfehle ich sowieso jedem, der das fotografieren erlernen möchte! Setz dich mit deiner Kamera auseinander. Spiel mit ihr rum. Geh raus und fotografier einfach drauf los. So lernst du deine Kamera am besten kennen und lernst mit ihr umzugehen. Basics, wie zum Beispiel die Blende und welche Auswirkungen sie auf deine Fotos hat, kannst du überall nachlesen. Aber das erlernt will ja auch umgesetzt werden. Deshalb: Schnapp dir nun deine Kamera, stelle sie in den Modus „A“, also die Blendenpriorität und spiel mal ein wenig mit den Blendeneinstellungen rum. Probier einfach mal aus was passiert.

Modus A einer DSLR: Die Blendenpriorität - Mit diesem Modus stellst du Blende manuell ein
Modus A einer DSLR: Die Blendenpriorität – Mit diesem Modus stellst du Blende manuell ein

Der Modus A ist echt super. Vor allem wenn man gerade das fotografieren lernt. In diesem kannst du nämlich die erste Einstellung vollkommen manuell auswählen und somit schauen was passiert. Im Modus A hast du die Kontrolle über die Blende und kannst sie schließen aber auch öffnen. Den Rest macht deine Kamera – also das anpassen der Verschlusszeit. Bei einigen Kameras – wie zum Beispiel bei meiner Sony SLT-A58 – kannst du auch noch die Belichtung einstellen, also wie Hell das Bild sein soll. Und nach dieser Einstellung, welche Standardmäßig auf 0 steht und eine normale Belichtung hat, wählt die Automatik deiner Kamera dann die Verschlusszeit aus. Damit das Bild perfekt Belichtet ist.

Denk jetzt aber nicht zu viel über die Belichtung und auch nicht über die Verschlusszeit nach. Das sind Themen, die in den nächsten Teilen meiner Reihe „Fotografieren lernen“ folgen. Jetzt spielt erst einmal die Blende eine Rolle.

Fotografieren lernen – Der erste Teil

So, das war es nun mit dem ersten Teil meiner Reihe „Fotografieren lernen„. Ich hoffe ich habe dir die Informationen möglichst gut verpackt und mich präzise genug ausgedrückt damit du alles ohne Probleme verstehen konntest. Wenn das nicht der Fall sein sollte oder du noch Fragen hast, kannst du mir gerne über das Kontaktformular schreiben und ich beantworte dir deine Fragen. Auch über Feedback wäre ich sehr dankbar! Nur so kann ich meine Online-Reihe übers fotografieren lernen verbessern und so noch mehr Menschen helfen!

Die Teile und Themen meines Lernkurses

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1 Kommentar
  1. Horst schreibt:

    Servus Christian!

    Ein wirklich hervorragender Beitrag!

    Evtl. habe ich es ja überlesen, aber das mit offener und geschlossener Blende habe ich mir anfangs nie merken können. Also ob eine große Zahl nun offen oder geschlossen bedeutet. Gemerkt habe ich es mir erst dann, als mir klar wurde, dass es eigentlich nicht Blende f4 sondern korrekterweise f/4 heißen muss. Und schon wird klar: große Zahl, kleine Blende (dividiert durch 4).

    Have fun
    Horst

    P.S.: werde einiger deiner Artikel in meiner Pinterest Fotografie Pinwand annageln :-).

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