Fotografieren lernen #002: Die Verschlusszeit

30 Sekunden Verschlusszeit: Das Wasser wirkt weicher, fast als Nebel"
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Der zweite Teil meiner Reihe „Fotografieren lernen“ dreht sich um die Verschlusszeit. Sie ist eine weitere Grundfunktion einer Spiegelreflexkamera (ja auch von spiegellosen Kameras) und bietet dir nicht nur Gestaltungsmöglichkeiten, sondern noch einiges mehr. Was die Verschlusszeit ist, wofür sie wichtig ist und wie du sie kreativ für deine Fotos einsetzen kannst, erkläre ich dir in diesem Teil der Serie.

Die anderen Teile der Reihe „Fotografieren lernen“

Dies ist nur ein Teil aus meiner Reihe „Fotografieren lernen“, in der ich dir nicht nur die technischen Grundlagen der Fotografie näher bringe, sondern auch viele weitere Tipps rund um die Fotografie gebe. Damit du alles erfährst, empfehle ich dir die anderen Teile auch zu lesen. Am Ende des Beitrages findest du eine Übersicht über die verschiedenen Teile und kannst mit einem Klick direkt in einen anderen Teil springen.

Die Verschlusszeit in der Fotografie: Grundlagen

Was ist eigentlich die Verschlusszeit? Wofür ist sie da und was steuert man mit ihr? Ich möchte dir im Bereich der Grundlagen erstmal erklären, was die Verschlusszeit überhaupt ist und wie sie funktioniert. Denn nur lernst du deine Kamera und die Begriffe zu verstehen und kannst sie hinterher richtig einsetzen.

Am Anfang bleibt zu sagen, dass neben der Blende die Verschlusszeit eine Grundfunktion ist. Außerdem kannst du mit der Verschlusszeit dein Foto belichten und steuern, wie viel Licht auf deinen Sensor treten soll. Du musst dir das so vorstellen: Dein Sensor in der Kamera versteckt sich. Genau genommen versteckt er sich hinter einer „Tür“, die sich immer mal wieder kurz öffnet. Nämlich genau dann, wenn du den Auslöser drückst. Und in diesem Moment fällt Licht auf dein Sensor ein und er nimmt das Foto auf.

Der Verschluss einer Kamera besteht – wie eine Tür – aus zwei Elementen, die sich öffnen und schließen. Du selber kannst mittels den Einstellungen bestimmen, wie lange der Verschluss innerhalb deiner Kamera geöffnet bleiben soll. Das hat den Vorteil, dass du dein Bild nicht nur entsprechend belichten kannst, sondern auch gestalten. Aber darauf kommen wir gleich zu sprechen.

So funktioniert der Verschluss in deiner Kamera

Im Endeffekt ist es einfach: Es gibt zwei Elemente. Den oberen Verschluss und den unteren Verschluss. Sobald du den Auslöser deiner Kamera drückst, schießt der untere Verschluss los und gibt somit den Sensor frei. Der obere Verschluss schießt hinterher und schließt wieder ab – legt den Sensor also wieder ins dunkle. Aber: Je nachdem wie deine Belichtungszeit bzw. Verschlusszeit eingestellt ist, wartet der obere Verschluss nicht lange oder doch lange. Das liegt an deiner Einstellung. Hast du also eine Sekunde Verschlusszeit eingestellt, wartet der obere Verschluss eine Sekunde bis er den Sensor wieder ins dunkle legt. So funktioniert der Blitzverschluss. Es gibt noch andere Verschlussarten, je nach Hersteller und Modell, aber im Grunde kann man sich das genau so vorstellen.

Die Verschlusszeit stellst du vor jedem Foto ein und lässt sich meistens über ein Rad an deiner DSLR einstellen. In der Regel werden die Verschlusszeiten in Sekunden angegeben. Das heißt: Du kannst zum Beispiel deinen Sensor 1 Sekunde belichten oder auch 2 Sekunden. Du kannst aber auch nur einen Bruchteil einer Sekunde nehmen, wie zum Beispiel 1/30 Sekunde, 1/400 Sekunde oder auch 1/4000 Sekunde.

Wählst du 1/4000 Sekunde, fällt weniger Licht auf den Sensor wie bei einer Verschlusszeit von 1/30 Sekunde. Wählst du 1 Sekunde Verschlusszeit, schließt sich der Verschluss langsamer und es fällt noch mehr Licht auf den Sensor.

Das solltest du dir über die Verschlusszeit merken

  • Die Verschlusszeit gibt an, wie lange der Verschluss in deiner Kamera geöffnet sein soll
  • Die Verschlusszeit wird in Sekunden angegeben
  • Es sind auch Bruchteile von Sekunden möglich
  • Hast du volle Sekunden als Verschlusszeit ausgewählt, werden dir diese mit einem Anführungszeichen (Beispiel 1″) angezeigt
  • Je länger die Verschlusszeit, desto länger ist der Verschluss geöffnet, desto mehr Licht tritt auf den Sensor ein

So, nun haben wir die Grundlagen über den Verschluss in deiner Kamera kennengelernt. Nun weißt du auch, wie die Verschlusszeit in deinem Display dargestellt wird und was das zu bedeuten hat. Doch du willst mit Sicherheit auch lernen, wie man die Verschlusszeit kreativ für seine Bilder einsetzen kann, oder? Dann solltest du weiterlesen, denn nun möchte ich dir zeigen, welche Auswirkungen die Verschlusszeit auf deine Fotos hat und was man tolles damit anstellen kann.

Die Verschlusszeit in der Fotografie einsetzen

Die Verschlusszeit ist wie Eingangs schon erwähnt ein Mittel um es kreativ in der Fotografie einzusetzen. Aber vielleicht denkst du dir gerade: „Wieso? Damit bestimme ich doch nur, wie viel Licht auf den Sensor kommt“. Diese Frage ist berechtigt. Aber es geht nicht nur um Licht, sondern auch um Bewegungen. Denn: Je länger der Verschluss in deiner DSLR geöffnet ist, desto mehr Licht nimmt der Sensor auf und desto mehr Bewegungen kann er registrieren und aufs Foto packen.

Eine kurze Verschlusszeit… Bewegliche Motive scharf darstellen

Wenn man bewegliche Motive, wie zum Beispiel ein fahrendes Auto, scharf darstellen möchte, muss man eine kurze Verschlusszeit wählen. Je kürzer die Verschlusszeit, desto schärfer wird das bewegliche Motiv dargestellt. Ein kleines Beispiel: Du schraubst eine Kamera auf ein Stativ und stellst es an eine Straße. Es kommt ein Auto vorbei, welches du fotografieren möchtest. Damit das Auto „eingefroren“ ist, musst du eine kurze Verschlusszeit wählen. Ansonsten nimmst du nämlich auch die Bewegung des Autos auf.

Eine längere Verschlusszeit und die Bewegungsunschärfe

Die Verschlusszeit wird gerne mal länger gewählt, einfach um nicht nur ein Foto zu schießen, sondern um dem Bild etwas Leben einzuhauchen. Ein beliebtes Motiv für Langzeitbelichtungen sind zum Beispiel Gewässer und Wasserfälle. Diese kann man mit einer längeren Verschlusszeit nämlich weich wirken lassen. Ein gutes Beispiel habe ich selber fotografiert: Den Rhein in Düsseldorf.

Wie jeder andere Fluss ist auch der Rhein ständig in Bewegung und wenn man mit einer kurzen Verschlusszeit fotografieren würde, würde man das Wasser genau so auf seinem Foto darstellen, wie man es auch wahrgenommen hat. Wählt man allerdings eine längere Verschlusszeit, wird das Wasser „weicher“ dargestellt. Weil die Bewegung über einen längeren Zeitraum aufgenommen wurde und somit nicht nur ein Moment eingefangen wird, sondern ein längerer Zeitraum. Nämlich den der Verschlusszeit.

30 Sekunden Verschlusszeit: Das Wasser wirkt weicher, fast als Nebel"
30 Sekunden Verschlusszeit: Das Wasser wirkt weicher, fast als Nebel“

Dieses Bild habe ich mit einer Verschlusszeit von 30 Sekunden aufgenommen. 30 Sekunden lang ist Licht auf den Sensor gefallen und 30 Sekunden hat der Sensor die Bewegungen aufgenommen. Das Wasser wirkt weicher, eher wie ein kleiner Nebel. Das ist nur eine von viele Möglichkeiten, sein Bild kreativ über die Verschlusszeit zu gestalten.

Merke dir folgendes:

  • Du kannst Bewegungen mit einer langen Verschlusszeit kreativ darstellen
  • Wasser wirkt bei einer längeren Verschlusszeit weicher und glatter
  • Autos auf der Straße hinterlassen bei einer langen Verschlusszeit sogenannte Lichtspuren
  • Bewegungen von Wolken können mit einer langen Verschlusszeit dargestellt werden

Die Verschlusszeit im Zusammenhang mit der Blende

Wenn du – wie ich auf meinem obigen Beispiel mit dem Rhein – bei Licht fotografierst, musst du dein Bild anständig belichten. Das heißt: Du musst schauen dass du ein gutes Zusammenspiel zwischen Blende und Verschlusszeit hinbekommst und auslotest. Denn: Wenn deine Verschlusszeit länger gewählt ist und deine Blende geöffnet ist, kann es sein dass dein Bild überbelichtet wird. Das heißt: Es tritt zu viel Licht auf den Sensor und dein Bild bzw. Bereiche deines Bildes brennen aus.

Damit das nicht passiert, empfehle ich folgendes: Setze dich mit deinem Motiv auseinander und entscheide ob du eine lange oder eine kurze Verschlusszeit nutzen möchtest. Du kannst es vor Ort auch ausprobieren und einfach mal beides fotografieren. Nachdem du dich entschieden hast, solltest du die Blende anpassen. Heißt: Erst die Verschlusszeit einstellen, anschließend die Blende schließen oder öffnen.

Geschlossene Blende, lange Verschlusszeit: Und schon bewegen sich die Wolken auf dem Foto
Geschlossene Blende, lange Verschlusszeit: Und schon bewegen sich die Wolken auf dem Foto

Nicht nur mit der Blende arbeiten – ein kleiner Ausflug in die Welt der ND-Filter

So, nun möchte ich noch kurz einen Ausflug in die Zubehör-Welt machen. Denn: Stell dir vor, du stehst wie ich am Rhein. Das Licht ist gut, du möchtest mit einer langen Verschlusszeit den Rhein im Vordergrund fotografieren. Du schließt deine Blende, aber es ist immer noch zu Hell. Dann hilft dir ein sogenannter ND-Filter, oder auch Graufilter genannt. Diesen schraubst du vor dein Objektiv und er sorgt dafür, dass weniger Licht in dein Objektiv gelangt.

Ein Graufilter ist im Endeffekt nichts anderes wie ein Abdunklung und es gibt ihn in verschiedenen Stärken. Je nach Lichteinfall muss also ein schwächerer oder eine stärkerer Graufilter auf das Objektiv geschraubt werden. So kannst du das einfallende Licht ohne Einstellen der Blende oder der Verschlusszeit regulieren. Aber dazu kommen wir in einem späteren Teil der Reihe „Fotografieren lernen“ noch zu sprechen, dass hier war nur als kleine Anmerkung gedacht.

Mit einem Graufilter (ND-Filter) kannst du weniger Licht durchs Objektiv gelangen lassen
Mit einem Graufilter (ND-Filter) kannst du weniger Licht durchs Objektiv gelangen lassen

Modus S – Die Zeitpriorität in deiner Kamera

Jede Spiegelreflexkamera – und ja, auch jede spiegellose Systemkamera – bieten verschiedene Modi an, mit denen du das fotografieren erlernen kannst. Folgend habe ich dir die wichtigsten Modi aufgeführt – und natürlich auch den Modi, mit dem du mit der Verschlusszeit „spielen“ kannst.

  • Modus M: „Manueller Modus“ – Alle Einstellungen manuell einstellen
  • Modus P: „Programmautomatik“ – Die Kamera trifft alle Einstellungen
  • Modus A: „Blendenpriorität“ – Du kannst die Blende manuell einstellen, den Rest macht die Kamera
  • Modus S: „Zeitpriorität“ – Du kannst die Verschlusszeit manuell einstellen, den Rest macht die Kamera

Um die Verschlusszeit manuell einstellen zu können, musst du entweder den Modus M („Manueller Modus“) oder den Modus S („Zeitpriorität“) wählen. Ich möchte dir, nachdem du jetzt viel über die Verschlusszeit gelesen und erfahren hast, den Modus S ans Herz legen. Denn damit kannst du die Verschlusszeit manuell auswählen, den Rest übernimmt deine Kamera. Das heißt: Du selber entscheidest, wie lange der Verschluss deiner Kamera geöffnet bleiben soll (oder wie kurz). Die Blende wird dann von der Programmautomatik deiner Spiegelreflexkamera oder Systemkamera automatisch angepasst um das Foto ordentlich zu belichten.

Solltest du also noch keine Erfahrung mit der Fotografie haben, empfiehlt es sich jetzt die Kamera in die Hand zu nehmen und den Modus S, die sogenannte Zeitpriorität, auszuwählen. Anschließend spielst du ein wenig herum und siehst, was passiert wenn du Fotos mit einer längeren Verschlusszeit und einer kürzeren Verschlusszeit schießt. Denn: Fotografie ist in der Regel ein „Learning by doing“. Du lernst es also nur, wenn du es selber testest und ausprobierst was mit verschiedenen Einstellungen passiert.

Mit dem Modus S deiner Kamera kannst du die Verschlusszeit manuell einstellen
Mit dem Modus S deiner Kamera kannst du die Verschlusszeit manuell einstellen

Doch merke dir: Irgendwann, wenn du im Modus S die Verschlusszeit zu kurz wählst, wird das Bild dunkler. Das hat einen logischen Grund: Deine Kamera öffnet bzw. schließt die Blende um eine ordentliche Belichtung hinzubekommen. Wenn du aber die Verschlusszeit zu kurz wählst, nicht genügend Licht zu Verfügung steht und sich deine Blende auch nicht weiter öffnen lässt, ist deine Kamera und auch dein Objektiv am Limit. Die Blende lässt sich für eine kürzere Verschlusszeit nicht mehr weiter öffnen und es gelangen nicht mehr Lichtstrahlen auf deinen Sensor um das Bild zu erhellen. Aber genug von der Theorie: Pack dir deine Kamera und probiere es aus!

Das macht deine Kamera im Modus S, der Zeitpriorität

  • Sie führt eine Belichtungsmessung durch
  • Deine Kamera lässt dich die Verschlusszeit einstellen
  • Anhand der Verschlusszeit und der Belichtungsmessung wird eine optimale Blende gewählt
  • Die optimale Blende wird für ein ordentlich belichtetes Bild eingestellt

Fotografieren – die Teile dieser Reihe

Damit sind wir am zweiten Teil meiner Reihe „Fotografieren lernen“ angekommen. In diesem Teil habe ich dir die Funktion des Verschlusses deiner Kamera näher gebracht und dir gezeigt, wie man mit einer längeren Belichtung kreative Fotos schießen kann. Folgend habe ich dir eine Auflistung der Reihe aufgeführt, so dass du mit nur einem Klick in ein anderes Thema springen und lernen kannst!

Die Teile und Themen meines Lernkurses

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