Fotografieren lernen #006: Das Histogramm

Überbelichtet und Unterbelichtet - das sagt uns das Histogramm und unser Auge
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Der sechste Teil meiner Serie „Fotografieren lernen“ dreht sich um das Histogramm in der Fotografie. Jeder, der schonmal eine Kamera in der Hand hatte oder ein Bild in Lightroom bearbeitet hat, wird das Histogramm schonmal gesehen haben. Doch was zeigt es eigentlich an, was macht das Histogramm und wieso kann es dir beim fotografieren behilflich sein? Damit du das Histogramm verstehen kannst und lernst, was es über deine Fotos aussagt, schauen wir mal genauer hin.

Das Histogramm wird besonders von Anfängern komplett missachtet und auch ich habe in meinen Anfängen gar nicht darauf geachtet, was mit dieses Diagramm anzeigt. Wozu auch: Ich kann mein Bild auf der Kamera kontrollieren und somit sehen, ob es mir gefällt oder nicht. Doch das Histogramm ist noch ein Stück genauer und gibt mehr Informationen als nur ein Bild. Klar: Das Bild muss dir gefallen und zusagen. Doch kann es nie schaden, den Blick aufs Histogramm zu wagen.

Die anderen Teile der Reihe „Fotografieren lernen“

Dies ist nur ein Teil aus meiner Reihe „Fotografieren lernen“, in der ich dir nicht nur die technischen Grundlagen der Fotografie näher bringe, sondern auch viele weitere Tipps rund um die Fotografie gebe. Damit du alles erfährst, empfehle ich dir die anderen Teile auch zu lesen. Am Ende des Beitrages findest du eine Übersicht über die verschiedenen Teile und kannst mit einem Klick direkt in einen anderen Teil springen.

Was ist eigentlich das Histogramm?

Wenn du deine Kamera mal in die Hand nimmst und ein Foto schießt, bekommst du dein Bild zur Kontrolle angezeigt. Das ist schön und gut, aber ein Kameradisplay ist selten extrem genau. Ich will damit nicht sagen dass sich der Blick auf das Kameradisplay nicht lohnt, aber zusätzlich sollte man noch einen Blick auf das Histogramm werden. Hierbei handelt es sich um ein Diagramm, welches dir verschiedene Bereiche deines Fotos anzeigt: Schwarz, Tiefen, Lichter und Weiß.

Wenn du dir jetzt mal ein Histogramm vorstellst oder ansiehst, ließt man es von links nach rechts in der Reihenfolge: Schwarz, Tiefen, Lichter, Weiß. Das heißt: Auf der linken Seite sind die dunklen Bereiche deines Fotos, auf der rechten Seite sind die hellen Bereiche deines Fotos. Doch was zeigt es dir nun an?

Das Histogramm: Was zeigt es dir eigentlich an?
Das Histogramm: Was zeigt es dir eigentlich an?

Das ganze ist einfach: Das Diagramm verläuft wie eine Berglandschaft – so könnte man sich das vorstellen. Sagen wir jetzt mal, dein Histogramm sieht so aus wie auf meinem Beispielfoto, dann hast du auf der rechten Seite einen kompletten Ausschlag. Das bedeutet letztendlich nichts anderes als dass dein Bild überbelichtet ist und einen ausgebrannten Bereich hat. In der Folge würde man nun also eine Belichtungskorrektur durchführen und ein neues Foto schießen, welches dann ein wenig dunkler ist. Das kannst du dann einfach über die Blende, die Verschlusszeit oder über den ISO-Wert machen (sofern dieser nicht sowieso auf ISO100 steht).

Ein überbelichtetes Bild hat den Nachteil, dass es nicht nur viel zu Hell ist, sondern auch Strukturen verloren gehen. Wer jetzt sagt, dass man dieses doch einfach in der Nachbearbeitung retten kann, dem sei gesagt, dass dies nur bedingt möglich ist. Ein ausgebranntes Bild zu retten, ist nicht nur schwer, sondern stellenweise unmöglich. Selbst wenn du dein Foto in RAW geschossen hast, ist einfach zu viel Licht auf den Sensor gekommen, der Bereich ist einfach nur weiß. Zu dunkle Bilder dagegen, kann man noch etwas retten, denn die Informationen sind ja nicht ausgebrannt – sie sind nur zu dunkel. Auf Kosten der Bildqualität könnte man in zu dunklen Stellen noch etwas retten.

Ein überbelichtetes Bild kann man in der Nachbearbeitung kaum noch retten. Ein unterbelichtetes Bild dagegen ist noch auf Kosten der Bildqualität (Rauschen) in der Nachbearbeitung zu verbessern.

Das Histogramm: Überbelichtet, Unterbelichtet, korrekt Belichtet

Wenn wir jetzt ein Foto schießen, kann man dieses über das Display der Kamera (oder über den Sucher) kontrollieren. Dabei schaue ich mir dann auch immer das Histogramm an, denn es bietet mir ein paar mehr Informationen. Es zeigt mir zum Beispiel an, wenn das Bild unterbelichtet ist oder überbelichtet ist. Für mich ist das ein Faktor, den ich zwar beachte, aber wenn kein wirklich riesiger Ausschlag vorhanden ist, achte ich nur auf das Bild. Denn letztlich muss es mir gefallen und mir zusagen.

Befindet sich der Berg größtenteils in der Mitte des Histogramms (in der „Belichtung“), dann ist dein Bild korrekt belichtet. Das heißt: Dein Foto hat keine zu hellen und ausgebrannten, aber auch keine zu dunklen Stellen. Das ist gut! Allerdings räume ich direkt mal mit dem Irrtum auf, dass dir das Histogramm sagt ob dein Bild gut oder schlecht ist. Es sagt lediglich was über die Belichtung bzw. die Helligkeit deines Fotos aus.

Überbelichtet und Unterbelichtet - das sagt uns das Histogramm und unser Auge
Überbelichtet und Unterbelichtet – das sagt uns das Histogramm und unser Auge

Dein Histogramm ist nicht alles – dein Bild muss dir gefallen

Jetzt gibt es auch wieder viele Leute, die zu viel auf das Histogramm achten. Das wäre meiner Meinung nach aber auch ein Fehler. Dir kann dieses Histogramm zwar beim fotografieren und auch bei der späteren Bearbeitung deutlich helfen, dennoch gibt es Fotos, auf denen ausgebrannte oder zu helle Stellen nichts machen. Ein Beispiel siehst du folgend. Hierbei handelt es sich um ein Foto, welches ich auf Santorini aufgenommen habe.

Das Histogramm verrät mir, dass die Sonne ausgebrannt (überbelichtet) ist
Das Histogramm verrät mir, dass die Sonne ausgebrannt (überbelichtet) ist

Mein Histogramm sagt mir: „Hey, da ist was überbelichtet. Schraub doch ein wenig die Belichtung runter“. Könnte man machen, möchte ich aber nicht. Denn laut Adobe Lightroom Lichterbeschneidung ist die Sonne und die Reflektion der Sonne ausgebrannt. Das ist ganz natürlich, denn die Sonne ist ja auch ein scheinendes Objekt. Jetzt könnt ich die Belichtung so weit runterschrauben, dass man die Sonne sehr gut sehen könnte – tue ich aber nicht. Weil sie gehört zur Stimmung des Bildes. Außerdem wäre das Bild wohl unterbelichtet, wenn ich die scheinende Sonne richtig belichten würde.

Damit möchte ich dir sagen, dass das Histogramm nicht über dein Bild bestimmen sollte. Viel mehr solltest du das Histogramm zur Hilfe nehmen, kannst aber auch ganz bewusst gewisse Bereiche überbelichten und ausbrennen lassen. Mein Bild ist ja nicht überbelichtet, sondern gibt es nur einen ausgebrannten Bereich. Und das habe ich bewusst so fotografiert.

Praxisaufgabe zum Histogramm

So, das Histogramm habe ich extra kurz gehalten, denn mir ging es in diesem Bereich nur um das schnelle Verständnis dieses Diagramms. Ich möchte gar nicht dass du dich großartig vom Histogramm beeinflussen lässt, es aber doch gerne mal zur Hilfe nimmst um deine Bilder zu kontrollieren – besonders direkt auf der Fototour. Damit du direkt dem Umgang mit dem Histogramm lernst, bitte ich dich, deine Kamera in die Hand zu nehmen und Fotos zu schießen.

Dreh dabei die Blende mal weiter auf und auch mal weiter zu. Du sollst sehen, wie sich das Histogramm verändert und somit lernen, was es dir anzeigt. Die Fotografie ist ja sowieso mehr „Learning by doing“, weshalb du bei deiner nächsten Fototour mal expliziter auf das Histogramm achten solltest. Das war es auch schon wieder mit der Praxisaufgabe.

Überblick zur Praxisaufgabe

  • Nimm deine Kamera und schieße Fotos
  • Schieße ein Foto mit einer offenen Blende und mit einer längeren Verschlusszeit
  • Schau dir das Histogramm des überbelichteten Fotos an
  • Schieße ein Foto mit einer geschlossenen Blende und einer kürzeren Verschlusszeit
  • Sieh dir das Histogramm des unterbelichteten Fotos an
  • Schieß ein korrekt belichtetes Foto mithilfe des Histogramms

Fotografieren – die Teile dieser Reihe

Damit sind wir am sechsten Teil meiner Reihe „Fotografieren lernen“ angekommen. Diesmal ging es kurz und knapp um das Histogramm einer Kamera. Mit dem Histogramm erkennst du, ob dein Bild überbelichtet oder unterbelichtet ist, ob die Tiefen und Lichter gleichmäßig sind und ob die Belichtung passt. Unter den folgenden Links gelangst du zu den anderen Teilen meiner Reihe.

Die Teile und Themen meines Lernkurses

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