Fotografieren lernen #007: Die Belichtung

Deine Kamera zeigt dir Informationen wie zum Beispiel die Belichtung deines Fotos an
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Im 7. Teil meiner Reihe „Fotografieren lernen“ geht es um die Belichtung, denn sie macht einen großen Teil des Fotos aus: Entweder ist ein Bild zu hell und somit überbelichtet, oder es ist zu dunkel und somit unterbelichtet. Die goldene Mitte ist dann die korrekte Belichtung, auf die man in der Fotografie abzielt. Aber auch nur dann, wenn man es auch wirklich so möchte. Es gibt immer Gründe dafür, ein überbelichtetes oder ein unterbelichtetes Bild zu schießen. In diesem Teil, dem siebten, möchte ich wirklich nur kurz auf die Belichtung zu sprechen kommen und auch kurz auf den Belichtungsmesser deiner Kamera.

Die Belichtung ist eigentlich nur eine Beschreibung des Bildes. Es handelt sich also nicht wirklich um einen Wert. Es gibt überbelichtet (zu viel Licht ist auf den Sensor gekommen), unterbelichtet (zu wenig Licht ist auf den Sensor gekommen) und korrekt belichtet (es ist nicht zu viel und nicht zu wenig Licht auf den Sensor gekommen). Wenn wir ein Foto schießen, versuchen wir in den meisten Fällen ein korrekt belichtetes Bild zu schießen, denn dann gibt es keine ausgebrannten Stellen (= zu viel Licht) und keine zu dunklen Stellen (= zu wenig Licht).

Die anderen Teile der Reihe „Fotografieren lernen“

Dies ist nur ein Teil aus meiner Reihe „Fotografieren lernen“, in der ich dir nicht nur die technischen Grundlagen der Fotografie näher bringe, sondern auch viele weitere Tipps rund um die Fotografie gebe. Damit du alles erfährst, empfehle ich dir die anderen Teile auch zu lesen. Am Ende des Beitrages findest du eine Übersicht über die verschiedenen Teile und kannst mit einem Klick direkt in einen anderen Teil springen.

Die Belichtung: Überbelichtet und Unterbelichtet

Wenn wir ein Foto schießen, können wir die Belichtung des Fotos mit verschiedenen Variablen gestalten. Wir haben schon in den vorangegangenen Teilen der Serie „Fotografieren lernen“ diese „Variablen“ kennengelernt:

  • Die Blende
  • Die Verschlusszeit
  • Der ISO-Wert

Mit diesen drei Einstellungen der Kamera und des Objektivs können wir die Belichtung einstellen und steuern. Es gibt also keinen Knopf oder kein Drehrad für „heller“ oder „dunkler“. Das geschieht ausschließlich über diese drei Einstellungen. Wenn wir also nun eine Einstellung gefunden haben und drehen den ISO-Wert höher, wird das Bild zu hell. Nehmen wir einen geringeren ISO-Wert, wird das Bild zu dunkel. Nutzen wir aber schon den geringsten ISO-Wert, müssen wir die Belichtung über die Blende oder die Verschlusszeit einstellen. Da ich selber in 99% der Fälle mit einem festen ISO-Wert von ISO100 fotografiere um ein rauscharmes Bild zu schießen, stelle ich die Belichtung nur noch über die Blende und die Verschlusszeit ein. Ich empfehle selbiges. Solltest du das tun, kannst du dir folgendes merken:

Offene Blende + kurze Verschlusszeit = geschlossene Blende + lange Verschlusszeit

Das ist so, weil die Einstellungen sich praktisch gegenseitig aufheben. Bei einer offenen Blende lassen wir viel Licht durch das Objektiv in die Kamera, aber durch die kurze Verschlusszeit kommt dieses ganze Licht nur für eine kurze Zeit auf den Sensor. Sagen wir, wir haben nun eine korrekte Belichtung erzielt. Das würden wir aber auch schaffen indem wir die Blende schließen und weniger Licht durch das Objektiv in die Kamera lassen würden, dafür aber die Verschlusszeit erhöhen würden. Das wenige Licht, welches in die Kamera tritt, kommt dadurch länger auf den Sensor – und schon haben wir wieder eine korrekte Belichtung.

Überbelichtete Bilder

Wenn wir von einem überbelichtetem Bild sprechen, meinen wir ein viel zu helles Bild. Dieses entsteht durch zu viel Licht auf dem Sensor, welches dort auch viel zu lange war. Das heißt: Das Bild ist zu hell und durch das Licht welches zu viel ist, gibt es nun Stellen die ihren Kontrast verloren haben und nur noch weiße Flecken sind. Außerdem gehen Farben verloren – weil das Licht die Farben deutlich heller darstellen lässt. Zwar werden Tiefen besser erkennbar, aber die Lichter des Bildes sind „ausgebrannt“.

Überbelichtete Bilder sind viel zu hell und es fehlt an Details
Überbelichtete Bilder sind viel zu hell und es fehlt an Details

Unterbelichtete Bilder

Wenn ein Bild zu dunkel ist, sprechen wir von einer Unterbelichtung. Es ist zu wenig Licht auf den Sensor gekommen, weshalb es sehr dunkel wirkt und auch Details verschluckt werden. Zu wenig Licht bedeutet aber auch: Die Lichter wirken nicht ausgebrannt, dafür sind die Tiefen einfach weg und sind kaum zu erkennen. Wer ein unterbelichtetes Foto schießt, dem gehen aber auch Farben verloren, weil der Sensor nicht genug Licht abbekommen hat, um die Farben ordentlich aufzunehmen.

Auch bei unterbelichteten Bilder fehlen Details - und sie sind zu dunkel
Auch bei unterbelichteten Bilder fehlen Details – und sie sind zu dunkel

Korrekt belichtete Bilder

Wenn man ein korrekt belichtetes Foto aufgenommen hat, sehen die Farben kräftig aus, es sind Lichter und Tiefen zu erkennen. Wir haben also die goldene Mitte getroffen. Korrekt belichtet bedeutet also kurz gesagt: Das Foto sieht genau so aus, wie es auch in Wirklichkeit war.

Es gibt aber auch Gründe, unterbelichtete und überbelichtete Fotos zu schießen. Ein Grund wäre zu Beispiel, wenn man ein HDR-Bild zusammenstellen will. Dafür nutzt man nämlich drei verschiedene Bilder:

  • ein unterbelichtetes Foto
  • ein überbelichtetes Foto
  • ein korrekt belichtetes Foto

Ich habe schonmal einen Artikel darüber geschrieben, wie man in Lightroom ein HDR-Bild erstellt. In diesem erfährst du natürlich auch, weshalb man denn verschiedene Belichtungen nimmt. Aber es gibt noch andere Gründe, wie zum Beispiel die eigene kreative Bildgestaltung. Weitere Gründe möchte ich jetzt hier gar nicht aufzählen, denn um Gründe geht es hier gar nicht.

Die Belichtung hängt also – wie wir bisher gelernt haben – von der Blende, der Verschlusszeit und dem ISO-Wert ab. Doch wie siehst du, ob dein Bild überbelichtet oder unterbelichtet ist? Dazu gibt es den Belichtungsmesser in modernen Kameras. Und dazu kommen wir jetzt.

Ein korrekt belichtetes zeigt Details, helle Stellen und dunkle Stellen - also alles in einem
Ein korrekt belichtetes zeigt Details, helle Stellen und dunkle Stellen – also alles in einem

Belichtungsmesser: Ein Werkzeug deiner Kamera

Moderne Kameras besitzen über einen sogenannten Belichtungsmesser, welcher dir anzeigt, ob dein Bild überbelichtet oder unterbelichtet ist. Aber Vorsicht: Nicht jede Kamera hat einen solche Belichtungsmesser, allerdings sind das nur sehr wenige. Ob deine Kamera über deinen Belichtungsmesser verfügt, findest du im Handbuch deiner Spiegelreflexkamera oder Systemkamera.

Doch was ist der Belichtungsmesser? Ganz einfach: Der Belichtungsmesser wertet die Einstellungen deiner Kamera aus, also die verwendete Blende, die Verschlusszeit und den ISO-Wert aus und zeigt dir an, ob dein Bild überbelichtet, unterbelichtet oder korrekt belichtet ist. Aber dieses Messwerkzeug deiner Kamera wertet nicht nur die Einstellungen aus, sondern schaut sich auch das Bild selber an – denn nur an den Einstellungen kann man erstmal nicht sagen ob ein Bild korrekt belichtet ist oder nicht. Das Motiv selber kann ja auch sehr dunkel sein – oder eben hell. Daher wird auch das Foto bzw. Motiv ausgewertet.

Die Skala der Belichtung zeigt dir an, ob dein Bild korrekt belichtet ist
Die Skala der Belichtung zeigt dir an, ob dein Bild korrekt belichtet ist

Der Belichtungsmesser zeigt dir auf einer Skala an, ob dein Bild korrekt belichtet ist oder nicht – zumindest ist es bei meiner Sony SLT-A58 und ist soweit ich gesehen habe auch bei vielen anderen Kameras der Fall so. Diese Skala zeigt dir dann an: „Hey, dein Bild ist zu Hell“ oder „Hey, dein Bild ist zu dunkel“ – zumindest muss man es so interpretieren.

Die Skala besteht aus verschiedenen Schritten, die von Kamera zu Kamera unterschiedlich sind. In der Regel haben sie aber eins gemeinsam: In der Mitte ist die 0, welche bedeutet: Korrekte Belichtung. Geht die Markierung, meistens ein Pfeil, nach Links oder Rechts, ist dein Bild unterbelichtet (bei mir links) oder überbelichtet (bei mir rechts). Ob die Skala bei jedem in die gleiche Richtungen gehen, kann ich nicht sagen.

Geht der Pfeil eine Stufe nach Links, also auf -1.0, dann ist mein Bild unterbelichtet. Geht der Pfeil eine Stufe nach Rechts und somit auf +1.0, dann ist mein Bild überbelichtet. Dazwischen gibt es noch Zwischenstufen, die aber von Kamera zu Kamera und auch von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sein können. Ich fotografiere in der Regel so, dass der Pfeil auf 0 steht. Es kommt aber auch vor, in denen ich dunklere Aufnahmen machen möchte und dann beachte ich die Skala gar nicht, sondern schaue auf das Histogramm und natürlich auch auf das Endergebnis.

Der Belichtungsmesser und die Programme deiner Kamera

Ich fotografiere schon lange nicht mehr im vollautomatischen Modus, einfach weil ich die Kontrolle über mein gesamtes Bild in der Hand haben will. Ich fotografiere nur noch im manuellen Modus, weil ich so über die Blende, den ISO-Wert und die Verschlusszeit entscheiden kann. Es gibt aber auch noch andere Programme die eine Kamera besitzt:

  • Zeitpriorität – Du stellst die Verschlusszeit ein
  • Blendenpriorität – Du stellst die Blende ein
  • Programmautomatik – Du stellst den ISO ein

Die restlichen Einstellungen übernimmt dann immer die Kamera. Dazu komme ich dann aber in einem späteren Teil in meiner Reihe „Fotografieren lernen“. Wichtig ist: Selbst in den Programm-Modi kannst du die Belichtung kontrollieren – mit der Belichtungskorrektur.

Normalerweise nimmt die Kamera die restlichen Einstellungen vor, die du nicht manuell wählst, um ein korrekt belichtetes Bild schießen und aufnehmen zu können. Es gibt allerdings noch die Möglichkeit, eine sogenannte Belichtungskorrektur durchzuführen. Das bedeutet dann nichts anderes, als die Belichtung anzupassen und nach seinen eigenen Wünschen einzustellen. Dies wird dann genutzt, wenn man trotz einem der genannten Programme die Bildgestaltung in der Helligkeit ändern möchte oder wenn die Belichtung einfach fehlerhaft ist. Dazu haben die meisten Spiegelreflexkameras und Systemkameras eine Taste zur Belichtungskorrektur, über die du dann die Skala wie gewünscht und benötigt einstellen kannst. Um mehr über die Belichtungskorrektur und die Anwendung dieser zu Erfahren, solltest du ins Handbuch deiner Kamera schauen.

Deine Kamera zeigt dir Informationen wie zum Beispiel die Belichtung deines Fotos an
Deine Kamera zeigt dir Informationen wie zum Beispiel die Belichtung deines Fotos an

Belichtung & Belichtungskorrektur: Praxisaufgabe

Nun möchte ich mit dir noch eine kleine Praxisaufgabe machen bzw. aufgeben, damit du die Belichtung in der Praxis kennenlernst. Stell dazu die Kamera in den gewünschten Modus ein mit dem du fotografieren möchtest und schieße ein paar Bilder. Schaue nun ins Handbuch und suche den Part mit der Belichtungskorrektur. Lies dir dann durch, wie man die Korrektur nutzt und aktiviert. Anschließend drehst du die Belichtung mal ein wenig heller damit dein Bild überbelichtet. Anschließend schraubst du die Belichtungskorrektur runter damit dein Bild unterbelichtet.

Step by Step: Die Praxisaufgabe zur Belichtungskorrektur

  • Schalte deine Kamera in den von dir gewünschten Automatikmodus
  • Schieße ein Bild und beobachte dabei die Skala des Belichtungsmessers
  • Nutze die Belichtungskorrektur um das Bild überbelichten zu lassen
  • Nutze anschließend die Belichtungskorrektur um das Bild unterbelichten zu lassen
  • Führe eine normale Belichtung durch

Wechsle nun in den manuellen Modus – sofern du mit diesem schon vertraut bist. Anschließend lässt du dir wenn möglich im Sucher die Skala des Belichtungsmessers anzeigen, um zu sehen, wie dein Bild belichtet wird. Anschließend schießt du Fotos im manuellen Modus („Modus M“). Dabei sollen korrekt belichtete Bilder, aber auch unterbelichtete und überbelichtete Bilder als Ergebnis rauskommen. Schieße die unterbelichteten und überbelichteten Fotos mit Verstellung der Blende und auch mit der Verschlusszeit. Das machst du, damit du ein Gefühl dafür bekommst, wie sich die Belichtung zu diesen zwei Einstellungsmöglichkeiten verhält.

Step by Step: Die Praxisaufgabe zur Belichtung und zum Belichtungsmesser

  • Schalte deine Kamera in den manuellen Modus („Modus M“)
  • Lass dir die Skala des Belichtungsmessers anzeigen
  • Schieße überbelichtete Bilder indem du die Blende und Verschlusszeit verstellst
  • Schieße unterbelichtete Bilder indem du die Blende und Verschlusszeit verstellst
  • Schieße korrekt belichtete Bilder indem du die Blende und Verschlusszeit verstellst

Das war es dann auch schon. Sinn der Praxisaufgabe ist es, dass du die Skala, den Belichtungsmesser und auch die Belichtungskorrektur kennenlernst und ein Gefühl dafür bekommst, wie sich die Belichtung und auch die Skala verhalten, wenn du Einstellungen wie Blende und Verschlusszeit veränderst.

Fotografieren – die Teile dieser Reihe

Damit sind wir am siebten Teil meiner Reihe „Fotografieren lernen“ angekommen. In diesem Teil haben wir uns die Belichtung angeschaut und einiges über die Skala der Belichtung, aber auch über die Belichtungskorrektur erfahren. Unter den folgenden Links gelangst du zu den anderen Teilen meiner Reihe.

Die Teile und Themen meines Lernkurses

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