Fotografieren lernen #008: RAW oder JPEG

RAW oder JPEG: Moderne Kameras bieten die Qual das Wahl
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Im 8. Teil der Serie „Fotografieren lernen“ geht es weniger um die Technik, sondern um das Bild an sich. Aber nicht darum wie ein Bild aufgebaut sein sollte, sondern darum, ob man in RAW oder in JPEG sein Foto schießt. Moderne DSLRs und Systemkameras, teilweise auch Bridge-Kameras, bieten es nämlich an die Fotos in RAW auf der Speicherkarte zu speichern und nicht in JPEG. Aber gibt es da Vorteile? Was ist der Unterschied zwischen RAW und JPEG Fotos? Ich möchte in diesem Teil genau darauf eingehen und dir ein wenig über RAW und JPEG erzählen – und dir auch zeigen, wieso es sich lohnt deine Fotos in RAW zu speichern.

Die anderen Teile der Reihe „Fotografieren lernen“

Dies ist nur ein Teil aus meiner Reihe „Fotografieren lernen“, in der ich dir nicht nur die technischen Grundlagen der Fotografie näher bringe, sondern auch viele weitere Tipps rund um die Fotografie gebe. Damit du alles erfährst, empfehle ich dir die anderen Teile auch zu lesen. Am Ende des Beitrages findest du eine Übersicht über die verschiedenen Teile und kannst mit einem Klick direkt in einen anderen Teil springen.

RAW oder JPEG: Das ist hier die Frage!

An vielen Stellen des Internets ließt man, dass RAW und JPEG zwei Formate sind. Das ist so gesehen Falsch. Denn: Während JPEG ein wirkliches Bildformat ist, ist RAW eigentlich nur die Bezeichnung der Rohdatei. Das heißt: RAW selber ist nicht der Dateityp, sondern nur die Bezeichnung. Es gibt unterschiedliche Rohdatenformate, so wie es auch unterschiedliche Kamerahersteller gibt. Deswegen muss nicht zwingend aus deiner Kamera ein Bild mit der Endung „.RAW“ kommen, sondern kann der Suffix, also die Dateiendung, auch komplett anders sein. Um dir eine kleine Übersicht zu bieten, welcher Kamerahersteller welches Format nutzt, gibt es folgend eine Liste mit den verschiedenen RAW-Dateitypen der unterschiedlichen Kamerahersteller. Beachte bitte dabei, dass ich nicht jeden einzelnen Hersteller in die Liste aufgenommen habe, sondern dir somit lediglich aufzeigen möchte, dass die Hersteller teilweise unterschiedliche Dateiendungen verwenden.

Kamerahersteller und ihre Rohdatenformate

  • Canon: .tif, .crw, .cr2
  • Fujifilm: .raf
  • Nikon: .nrf, .nrw
  • Olympus: .orf
  • Panasonic: .raw, .rw2
  • Sony: .arw

Du siehst also, dass die Rohdateien andere Endungen haben. Das tut dem ganzen aber keinen Abbruch, da immer die Rohdatei gemeint ist und moderne Bildbearbeitungsprogramme mit den unterschiedlichen Endungen bzw. Dateitypen überhaupt kein Problem haben. Aber was bringt dir das ganze eigentlich?

RAW-Bilder sind größer als JPEG Bilder - Deswegen lieber eine größere Speicherkarte nehmen
RAW oder JPEG: Moderne Kameras bieten die Qual das Wahl

RAW vs. JPEG: Wo ist der Unterschied zwischen RAW und JPEG

Nun wissen wir also dass die RAW-Fotos die aus deiner Kamera kommen roh sind. Und die JPEG-Fotos? Nun, die sind nicht roh. Das heißt: Das Foto wurde schon komprimiert. Das heißt zwar auch dass die Dateigröße deutlich geringer ist, allerdings sind auch schon Vorverarbeitungsschritte (wie zum Beispiel der Weißabgleich, die Farbsättigung und die Schärfung) schon abgespeichert. Eine nachträgliche Bearbeitung ist zwar möglich, jedoch sind hier die Grenzen der Bearbeitung deutlich enger geschnürt und sind somit auch stets mit Qualitätsverlusten verbunden. Dazu aber gleich mehr.

Es gibt Vor- und Nachteile der jeweiligen Dateiformate die ich dir kurz gegenüberstellen möchte. Damit es einfacher ist, fangen wir einfach mal mit den Vorteilen und Nachteilen der RAW-Dateien an.

Vorteile & Nachteile von RAW-Dateien in der Fotografie

[one_half]

Vorteile

[tie_list type="plus"]

  • Flexibilität in der Nachbearbeitung
  • Höhere Helligkeitsauflösung
  • Farbtiefe ist deutlich größer
  • Höherer Dynamikumfang
  • Wird unverändert gespeichert

[/ti[/tie_list]

[/on[/one_half]

[one[one_half_last]

Nachteile

[tie[tie_list type="minus"]

  • Dateigröße deutlich größer
  • Das Bild muss entwickelt werden
  • Man muss alles selber machen
  • Braucht zum Speichern etwas länger

[/tie_li[/tie_list][/one_ha[/one_half_last]Das sind für mich die wichtigsten Vor- und Nachteile. Man sieht, dass man mit einem RAW-Foto deutliche Vorteile hat, denn man genießt in der Nachbearbeitung eine extreme Flexibilität. Du kannst so zum Beispiel in einem RAW die Tiefen und Lichter deutlich besser einstellen und selber bearbeiten. Ebenso wie den Kontrast und den Weißabgleich. Das gute hierbei ist, dass du dabei keinen Qualitätsverlust erleidest und dein Foto weiterhin in der bestmöglichen Qualität vorliegt.

Der Nachteil ist allerdings, dass „Out of Cam“ hierbei keine wirkliche Option ist. Denn: Überträgst du die Bilder auf deinen Computer, brauchst du erst einmal einen RAW-Entwickler um die Bilder zu „entwickeln“. Das sagt man so, da es sich bei den RAW-Dateien um digitale Negative handelt. Praktisch die Negative alter Fotos nur eben in digitaler Form. Außerdem ist eine Bearbeitung der Bilder unumgänglich da die Regler in den RAW-Entwicklern wie Adobe Lightroom immer auf „0“ gesetzt werden – du musst also schon Hand anlegen.

Die angesprochenen Themen könnte man nun einfach umdrehen und sie zu den Vor- & Nachteilen der JPEG-Dateien zu machen. Um dir aber nun nicht wieder eine Liste bereitzustellen, habe ich verschiedene Themen einfach mal in einer Tabelle gegenübergestellt, so dass man sich einen viel schnelleren Überblick darüber machen kann.

Die Unterschiede von RAW und JPEG

RAWJPEG
Alle Bildinformationen werden behalten und sind vorhandenViele Bildinformationen werden entfernt
Die RAW-Datei ist unkomprimiert und größerDie JPEG-Datei ist komprimiert und kleiner
Fotos müssen erst entwickelt werdenFotos können direkt fertig angesehen werden
Das speichern dauert längerDas speichern geht deutlich schneller
Korrekturen wie Weißabgleich, Lichter, Tiefen, Kontraste, Schärfe und vieles mehr können ohne Qualitätsverlust durchgeführt werdenEine Nachbearbeitung ohne Qualitätsverlust ist nicht möglich
Größere FarbtiefeGeringere Farbtiefe
Höherer DynamikumfangGeringerer Dynamikumfang
RAW-Fotos müssen erst konvertiert werden bevor sie genutzt (Web, Druck, etc.) werden könnenBilder können direkt genutzt werden
Schnelle Serienaufnahmen sind durch den Pufferspeicher der Kamera begrenztSchnellere Serienaufnahmen sind aufgrund der geringen Dateigrößen möglich

RAW oder JPEG – Was ist besser?

Nun muss man sich selber die Frage stellen was besser ist. Jeder hat andere Vorstellungen von der Fotografie. Die einen möchten lieber in JPEG fotografieren und die Bilder direkt „out of cam“ (also direkt aus der Kamera) haben und verwenden, während andere Fotografen das Bild erst noch entwickeln und bearbeiten möchten. Ich selber fotografiere nur noch in RAW, habe am Anfang die ersten Fotos aber auch in JPEG geschossen. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass mir in der späteren Bildbearbeitung einfach so viele Möglichkeiten entgehen, dass ich mich dazu entschlossen habe, nur noch in RAW zu fotografieren.

Wer in RAW fotografiert, braucht auch ausreichend Speicherplatz
Wer in RAW fotografiert, braucht auch ausreichend Speicherplatz

Für mich hat sich also rausgestellt, dass es für mich persönlich besser ist in RAW zu fotografieren. Denn ich möchte die Fotos hinterher noch bearbeiten. Und der Vorteil von RAW ist hier einfach, das alle Bildinformationen vorhanden sind. Bei einem JPEG hat man das Foto schon komprimiert und somit auch einige Bildinformationen weggelassen bzw. entfernt. Der Vorteil liegt hier bei den RAW-Dateien: Wenn ich also möglichst viele Bildinformationen für die Nachbearbeitung benötige, ist das Rohdatenformat genau das richtige für mich.

RAW-Entwickler: Wie wandle ich RAW in JPEG um?

Wenn man sich dann entschieden hat, seine Fotos in RAW aus der Kamera heraus zu speichern, dann entwickelt man sie am Computer. Sprich: Man trifft alle Einstellungen, bearbeitet das Bild und konvertiert es dann in JPEG. Klingt kurios, oder? Nun, es ist nur logisch dass man es im letzten Schritt dann in ein allgemein gültiges Dateiformat konvertiert und speichert. Man möchte das Foto ja auch nutzen. Sei es fürs Web, fürs Handy oder Tablet oder einfach nur um es sich auf Leinwand drucken zu lassen. Trotzdem sieht das aus RAW entwickelte JPEG deutlich anders aus als das JPEG welches aus der Kamera kommt.

Aber wie wandle ich denn nun eine RAW-Datei in ein JPEG um? Welche RAW-JPEG-Konverter gibt es und welche RAW-Entwickler sind empfehlenswert? Hier gibt es auch wieder eine ganze Palette an Programmen, die ich aber gar nicht alle aufführen möchte. Ich empfehle eigentlich immer eins: Adobe Lightroom, eines der mächtigsten Programme wenn es um die Nachbearbeitung, die Entwicklung und die Sortierung von Fotos geht.

Adobe Lightroom: Der für mich beste RAW-Entwickler

Ich sehe Lightroom nicht als Bildbearbeitungsprogramm, sondern als einen RAW-Entwickler an. Denn: Lightroom kann nicht nur problemlos mit RAW-Dateien umgehen und sie konvertieren, sondern kannst du hier auch viele Bearbeitungen durchführen. Lightroom ist echt extrem umfangreich und ist für mich das Non-Plus Ultra. Es gibt für mich persönlich nichts besseres, auch wenn es einen enormen Preis hat. Das gute an Adobe Lightroom ist aber auch, dass man seine gesamten Bilder verwalten und sortieren kann. Dazu hat das Programm unter anderem folgende Funktionen:

  • Erstellen von Sammlungen und sortieren von Bildern in Sammlungen
  • Bewerten von Bildern mittels Sternchen (1-5 Sterne sind möglich)
  • Verschlagwortung der Bilder zum einfachen wiederfinden

Aber nicht nur die Organisation der teilweise doch recht großen Datenmengen die Fotografen in Form von Bildern besitzen, sondern auch die Bearbeitung ist für Lightroom kein Problem. Ich finde das Adobe mit Lightroom ein mächtiges Tool entwickelt hat, welches man unbedingt mal testen sollte.

DxO Optics Pro

Es gibt auch noch DxO Optics Pro, einen RAW-Entwickler aus dem Hause DxO. Ich hatte ihn mal getestet da eine Version für eine begrenzte Zeit lang zum kostenlosen Download angeboten wurde. Optics Pro macht einen wirklich guten Eindruck, ist für mich allerdings keine echte Alternative für Lightroom, da ich mich im Adobe-Produkt schon an den Workflow gewohnt habe. Aber: Die Bearbeitung der RAW-Bilder meistert auch DxO Optics Pro wirklich mehr als perfekt. Wer also einen Alternative für Lightroom sucht, ist mit DxO Optics Pro sehr gut bedient!

Es gibt noch viele andere RAW-Konverter auf dem Markt, da ich allerdings mit Lightroom arbeite, habe ich mir nicht alle angesehen. Dafür fehlt mir leider die Zeit. So gerne ich auch für jeden einzelnen einen Testbericht schreiben würde – oder dir jetzt eine Empfehlung geben würde. Um dir nur noch 4 Alternativen zu nennen, habe ich eine Liste zusammengefasst, in der ich 4 weitere RAW-Converter aufzeige die es noch gibt.

  1. Capture One
  2. IfranView
  3. Affinity Photo
  4. ACDSee

Ich empfehle: Schieße nur noch in RAW!

Da du ja hierher gekommen bist um das fotografieren zu lernen und anständige Tipps zu erhalten, möchte ich dir einen Tipp in Bezug auf dieses Thema geben. Schieße ab sofort nur noch in RAW. Wenn du wirklich fotografieren möchtest, wird dich JPEG nicht zufrieden stellen und deinen Qualitätsansprüchen nicht standhalten – zumindest nicht das JPEG, welches aus deiner Kamera kommt. Fotografiere daher also immer in RAW, auch wenn dass bedeutet dass die Dateigrößen größer sind, du vielleicht nicht mehr die schnellsten Serienaufnahmen machen kannst und auch mehr Speicherplatz brauchst. Auch wenn du später alle Bilder am Computer bearbeiten und entwickeln musst bevor du sie veröffentlichen kannst. Aber: Du bekommst ein viel besseres Ergebnis als wenn du ein direkt von der Kamera komprimiertes Bild nimmst – Versprochen!

Fotografieren – die Teile dieser Reihe

Und somit ist auch der 8. Teil meiner Reihe „Fotografieren lernen“ beendet. Diesmal ging es nicht um die Technik der Kamera, sondern um das Dateiformat RAW und JPEG. Ich habe dir die Vorteile erklärt und hoffe dir in diesem Thema geholfen zu haben. Über die folgenden Links kannst du die anderen Teile meiner Lernreihe finden.

Die Teile und Themen meines Lernkurses

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