Fotografieren lernen #009: Bildrauschen

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Der 9. Teil der Serie „Fotografieren lernen“ beschäftigt sich mit dem Bildrauschen in Fotos. Ein Problem, das besonders Fotografie-Anfänger kennen und darunter leiden. Du schießt ein Foto aus einer spannenden Perspektive und es ist verrauscht. Das Bildrauschen kann aber reduziert und gar komplett entfernt werden – man muss nur wissen wie. Ich zeige dir, was es mit dem Bildrauschen auf sich hat, wie es entsteht, was die meisten Fehler und möchte dir auch beibringen, wie du das Bildrauschen minimierst oder entfernst!

Bildrauschen – was heißt das und wie kommt es zustande?

Das Bildrauschen oder auch oft ISO-Rauschen genannt ist etwas, was Fotografen stört, sich aber teilweise gar nicht vermeiden lässt. Wenn man die Kamera falsch eingestellt hat, passiert es oft, dass man ein sogenanntes Bildrauschen bekommt – dass bedeutet, dass das Bild körnig ist. Rauschen? Körnig? Ich möchte dir an einem Beispiel zeigen, was damit gemeint ist.

Bildrauschen: Man sieht die starke Körnung im Bild schon sehr
Bildrauschen: Man sieht die starke Körnung im Bild schon sehr

Ja, auch ich habe schon Fotos geschossen, in denen man ein starkes Bildrauschen sehen konnte. Aber: Alles gar kein Problem – ich wollte das fotografieren ja lernen. Und habe mich auch direkt mal damit beschäftigt was das Bildrauschen überhaupt ist und wie das Bildrauschen entsteht. Man sieht im Beispielbild, welches ich übrigens in der Villa Woodstock aufgenommen habe, dass gerade in den dunklen Bereichen ein sehr starkes Rauschen auftritt. Das liegt daran, dass die Einstellungen meiner Kamera falsch waren.

Das Bildrauschen entsteht nämlich dann, wenn der Sensor der Kamera sehr lichtempfindlich eingestellt wird. Damals hatte ich die Kamera Neu und im Automatik-Modus fotografiert. Heute sieht es anders aus. Heute fotografiere ich im manuellen Modus und stelle den Sensor der Kamera nicht mehr lichtempfindlich ein. Kurz und knapp: Schuld ist ISO-Wert, der zu hoch eingestellt war. Und in 99% der Fälle ist dies auch der Grund, weshalb dein Foto ein Bildrauschen aufweist. Der ISO ist also dran schuld. Aber wie kann man das ändern? Und wie bekommt man das Rauschen in den Griff?

Nun, erstmal müssen wir wissen, was das überhaupt für uns bedeutet. Denn: In manchen Situationen sind wir gezwungen den ISO höher einzustellen um fotografieren zu können. Aber der Reihe nach.

Ich fotografiere am meisten auf ISO 100

Wenn ich auf Fototour gehe, ist der ISO in über 99% der Fälle auf ISO 100 eingestellt. Das ist der geringste Wert den ich in meiner Kamera einstellen kann – und somit ist er auch der Wert mit dem geringsten ISO-Rauschen. Je höher ich den ISO-Wert stelle, desto mehr nimmt auch das Rauschen zu. Aus diesem Grund verstelle ich ihn gar nicht erst, denn meine kleine Sony SLT-A58 fängt schon recht früh an zu rauschen. Nur in Ausnahmesituationen, wenn ich zum Beispiel freihändig fotografiere und das Licht ungünstig ist, stelle ich den ISO auf 200 oder auf 400. Wobei mir persönlich 400 schon zu hoch ist.

Aber nicht alle Kameras fangen an bei diesen Werten an zu rauschen. Es gibt Kameras, die können problemlos noch mit ISO-Werten von 1600, 3200 und deutlich höher fotografieren und man erkennt kein bisschen Korn. Das liegt dann aber an der Kamera.

So entsteht ISO-Rauschen: Die Ursache für die Körnung

ISO-Rauschen hat also was mit dem ISO zu tun. Dazu müssen wir wissen, dass der ISO-Wert die Lichtempfindlichkeit des Sensors „steuert“. Je höher der ISO-Wert, desto höher die Lichtempfindlichkeit der Pixel die auf deinem Sensor sind. Jetzt kommt noch mehr technisches Wissen dazu: Dadurch, dass die Sensoren unterschiedlich Groß sind (es gibt zum Beispiel kleine APS-C Sensoren, Vollformatsensoren und Mittelformatsensoren), haben die Pixel auch unterschiedlich viel Platz auf dem Sensor. Kurze Info dazwischen:

  • APS-C Sensor ist der kleinste Sensor der dreien
  • Der Vollformatsensor ist größer als der APS-Sensor aber kleiner als der Mittelformatsensor
  • Der Mittelformatsensor ist der größte Sensor der dreien

Das heißt, auf dem APS-Sensor haben die Pixel am wenigsten Platz, auf dem Vollformatsensor steht schon mehr Platz zur Verfügung. Auf einem Sensor im Mittelformat haben die Pixel am meisten Platz. Allerdings nur dann, wenn wir auch von einer gleichbleibenden Zahl an Pixeln sprechen. Je weniger Pixel vorhanden sind, desto größer sind sie. Und je größer die einzelnen Pixel sind, desto mehr Licht können sie aufnehmen. Deswegen kannst du bei ISO 100 auch dann noch aus der Hand fotografieren, wo ein APS-C Sensor schon längst nicht mehr genügend Licht aufnehmen kann.

Im Idealfall besitzt du also eine Kamera mit einem schön großen Sensor, auf dem deine Pixel genug Platz haben und groß genug sind – und schön viel Licht aufnehmen können.

ISO und Bildrauschen: An wann rauscht eine Kamera?

Eine Pauschalaussage dazu kann man nicht treffen. Denn wie wir schon gelernt haben, gibt es unterschiedliche Sensoren, die auch unterschiedlich mit Pixeln bestückt sind. Und darauf kommt es letztlich an. Ich kann dir hier also keine Aussage machen, wie „Rauschen beginnt bei ISO 200 oder ISO 400“ oder „Stell deine Kamera nicht auf über ISO 1600, sonst rauscht dein Bild!“. Es kommt auf die Kamera an.

Aber du kannst es selbst mal testen: Schieß mal Fotos mit unterschiedlichen ISO-Werten bei bescheidenen Lichtverhältnissen und schau dir die Fotos später auf deinem Rechner an. Beachte dabei aber, dass du unbedingt in das Bild zoomen solltest, da du auf deinem Bildschirm eine verkleinerte Ansicht hast. Und da kann das Bild schonmal besser aussehen als wenn man es später ausdruckt.

Ein zu hoher ISO-Wert sorgt für Rauschen im Bild
Ein zu hoher ISO-Wert sorgt für Rauschen im Bild

So vermeidest du ISO-Rauschen in deinen Fotos

Kommen wir nun zum nächsten Learning, nachdem wir nun gelernt haben wie Rauschen überhaupt entsteht, welche Ursachen es hat und was das ISO-Rauschen überhaupt ist. Als nächstes ist nämlich wichtig zu wissen, wie man das Rauschen vermeidet. Es gibt hier zwei Wege, das Rauschen aus Fotos zu entfernen: Entweder von Anfang an die Kamera so einstellen, dass gar kein Rauschen entsteht oder sichtbar ist – oder eben das Rauschen in der Nachbearbeitung des Bildes entfernen. Ich wähle immer den ersten Weg und versuche so zu fotografieren, dass ein Bild überhaupt nicht erst rauscht. Das ist die elegantere Lösung, einfach weil du in der späteren Nachbearbeitung keine Maßnahmen treffen musst, die auf die Bildqualität gehen. Ich versuche sowieso immer ein Fotos so zu schießen, dass ich vieles von Anfang an vermeide: Bildrauschen, Überbelichtung, Unterbelichtung und einiges mehr. Aber wie vermeidet man das Bildrauschen schon beim fotografieren?

So vermeidest du das Bildrauschen schon beim fotografieren!

Wir haben bisher gelernt, wie das Bildrauschen entsteht, nun müssen wir nur noch so fotografieren, dass es nicht mehr sichtbar ist. Dazu machen wir einfach das Gegenteil von dem, was für die Körnung verantwortlich ist: Wir fotografieren mit einem geringen ISO-Wert statt mit einem hohen. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass die Verschlusszeit sich verlängert, da die Lichtempfindlichkeit des Sensors reduziert wird. Entweder passen wir die Belichtung nun über die Blende an – oder schließen auch noch die Blende und erhöhen die Verschlusszeit noch mehr. Das funktioniert aber nur dann, wenn wir mit einem Stativ fotografieren – so wie ich es besonders bei der Landschaftsfotografie, der Architekturfotografie und der Lost Place Fotografie empfehle.

Ich nehme immer den geringsten ISO-Wert zum fotografieren. Somit ist sichergestellt dass kein Rauschen in meinen Fotos auftritt – oder kaum sichtbar ist. So ganz vermeiden lässt es sich eben nicht immer. Aber auf dem geringsten ISO-Wert (bei mir ISO 100) habe ich das geringste Rauschen, welches man nur bei einer 100%igen Vergrößerung wahrnimmt – und auch nur dann, wenn man ganz genau hinsieht.

Meine Tipps um das Rauschen zu vermeiden

[tie_list type="starlist"]

  • Den ISO-Wert deiner Kamera auf den niedrigsten Wert stellen
  • Mit einem Stativ fotografieren
  • Die Belichtung primär über die Blende korrigieren
  • Ansonsten lässt sich die Belichtung noch begrenzt mit der Verschlusszeit korrigieren

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Als Lost Place Fotograf habe ich auf meinen Touren immer ein Stativ dabei. Ich fotografiere extrem selten Menschen, wo mich das Stativ nur behindert. Du solltest dir also vorher Gedanken machen, ob du ein Kamerastativ nutzen kannst oder nicht.

So kannst du das Rauschen in der Nachbearbeitung entfernen

Die Lightroom Rauschreduzierung
Die Lightroom Rauschreduzierung

Moderne Bildbearbeitungsprogramme wie Adobe Photoshop und Lightroom haben einige Werkzeuge an Board, mit denen sich das Bildrauschen entfernen lässt. Aber geht das ganz? Kann man das ISO-Rauschen ganz entfernen? Ich sage: Nein! Auch wenn es Programme gibt, die damit extrem werben dass sie das Bildrauschen entfernen können, hast du auf der anderen Seite das Problem, dass solche Bearbeitungen oftmals zulasten der Bildqualität gehen. Das Bild wirkt meistens mehr verwaschen als Scharf – was wirklich schade ist.

Alleine schon aus diesem Grund versuche ich das Bildrauschen schon beim fotografieren zu vermeiden und setze erst gar nicht auf die Nachbearbeitung. Viel zu hoch ist das Risiko, dass ich das Bild nicht sauber genug bearbeitet bekomme und es in meinen Augen dann für den Papierkorb ist. Ich empfehle dir auch nicht auf die Nachbearbeitung zu setzen, sondern von Anfang an Fehlerfrei zu fotografieren und das Rauschen so zu unterdrücken.

Die Rauschreduzierung in Lightroom funktioniert zwar echt gut, hat aber diesen einen Nachteil. Ich möchte dir nochmal das Bild vom Anfang zeigen, welches ich als Beispielbild genommen habe. Hier habe ich die Rauschreduzierung von Adobe Lightroom genutzt und siehe da – das ISO-Rauschen ist zwar deutlich schwächer geworden, aber das Bild sieht nun auch verwaschen aus – und nicht mehr so knackscharf. Besonders an den Kanten der Säule kann man das Ergebnis extrem gut sehen. Zufrieden wäre ich damit jetzt nicht wirklich.

Rauschreduzierung in Lightroom: Entfernt zwar das Rauschen, aber auch Details
Rauschreduzierung in Lightroom: Entfernt zwar das Rauschen, aber auch Details

Für mich also keine Alternative. Ich wäre so nicht wirklich zufrieden mit dem Bild, vor allem wegen der fehlenden Schärfe. Die Säule sieht so aus, als wenn sie unscharf ist. Und das ist nicht Sinn und Zweck der Rauschreduzierung.

Es gibt auch viele andere Programme auf dem Markt die das Bildrauschen eines Bildes reduzieren sollen: Nik Dfine, Noise Ninja, Neat Image, DCEnhancer und viele mehr. Ich möchte jetzt hier gar nicht alle vorstellen, denn darum geht es in diesem Teil der Serie gar nicht. Aber du siehst: Es gibt unzählige Programme auf dem Markt, die dir dein Bild „entrauschen“ können. Aber eins können sie nicht: Ein mit den richtigen Einstellungen geschossenes Foto ersetzen.

Praxisaufgabe zum ISO-Rauschen

Kommen wir nun zum Schluss dieses Teils: Der Praxisaufgabe. In so gut wie jedem Teil der Serie habe ich am Ende immer eine Praxisaufgabe, die dir das gelernte näher bringen soll. Auch diesmal. Schnapp dir deine Kamera, schalte sie ein und schieße ein paar Fotos. Am besten gehst du dorthin, wo schlechte Lichtverhältnisse herrschen. Fotografiere mit verschiedenen ISO-Werten und lerne deine Kamera kennen. Lerne wann deine Kamera anfängt zu rauschen. Am besten nimmst du dir für die geringeren ISO-Werte ein Stativ zur Hand, damit du die Belichtung korrigieren kannst.

Schritt für Schritt: Die Praxisaufgabe

  1. Schnapp dir deine Kamera und schalte sie an
  2. Schieße Fotos in einer Umgebung mit schlechten Lichtverhältnissen
  3. Probiere die unterschiedlichen ISO-Werte aus und schieße Fotos mit ihnen
  4. Schau dir die Bilder auf deinem Computer an und schaue, wann deine Kamera anfängt zu rauschen

Das war es auch schon. In dieser Praxisaufgabe solltest du nur etwas über deine Kamera lernen: Wie ist das Rauschverhalten auf den einzelnen ISO-Werten? Ab wann rauscht die eigene Kamera. Damit du auf deiner nächsten Tour rauschfreie Fotos schießen kannst!

Fotografieren – die Teile dieser Reihe

Damit ist der 9. Teil meiner Reihe „Fotografieren lernen“ abgeschlossen. Hier ging es um das ISO-Rauschen und die Körnung auf Fotos. Wie kann man das Bildrauschen vermeiden? Wie entsteht das ISO-Rauschen eigentlich? Solche Fragen habe ich dir beantwortet und gezeigt, wie du dagegen ansteuern kannst. Folgend kannst du die anderen Teile meiner Serie sehen – und vielleicht noch viel mehr lernen!

Die Teile und Themen meines Lernkurses

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