Zwieback Fabrik der Firma Brandt

Viel Platz für viel Motiv: Das Sigma 10-20mm F3.5 EX DC HSM
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Einer der bekanntesten Lost Places dürfte die Zwiebackfabrik in Hagen sein, die dem Zwiebackhersteller Nummer 1 gehörte. Heute wird dort leider nichts mehr produziert und kein einziges Zwieback verlässt mehr die Produktionsstraßen. Die Hagener Zwiebackfabrik der Firma Brandt ist auch kein ungeschriebenes Blatt mehr: Vandalismus, Brände und viel mehr. Leider aber wird es bald ein Ende geben – denn neue Pläne sollen schon vorhanden sein.

Die alte Brandt Zwiebackfabrik ist ein bekannter Lost Place. Nicht nur weil es ein ziemlich großes Gelände und riesige Gebäude sind die sich direkt an einer größeren Straße befinden, sondern auch weil es dieses verlassene Gelände mehrfach in die Medien geschafft hat: Brände haben dafür gesorgt dass der Lost Place bekannter wurde als ihm lieb ist. Schon von außen kann man sehen, dass Vandalen schon längst vor Ort waren, Graffiti gesprüht und Fenster eingeschlagen haben. Traurig, denn hier steckt eine Geschichte in den Mauern, die Brandt zu einem der Marktführer für Zwieback gemacht haben. Denn wer an Zwieback denkt, denkt automatisch an die Firma Brandt.

Die verlassene Brandt Zwiebackfabrik in Hagen

Mitten in Hagen steht sie also, die verlassene Zwieback-Fabrik, welche unser Ziel war. Es war ein regnerischer Tag, davon haben wir uns aber nicht unterkriegen lassen. Bepackt mit meinem Rucksack gelangen wir nicht nur aufs Gelände, sondern auch recht schnell in die Hallen der damaligen Fabrik. Man sieht schnell, dass sich hier Idioten ausgetobt haben: Eingeschlagene Scheiben, überall liegt Müll rum und jede Wand wurde dazu genutzt sich mittels Graffiti zu verewigen.

Wir ziehen los und schießen die ersten Fotos. Schnell hatten wir das Gefühl, dass wir nicht alleine sind, haben uns aber nicht entmutigen lassen, weiter zu ziehen. Es könnte ja auch nur der Regen gewesen sein – oder der Wind. Oder es tropft irgendwo rein. Doch unser Bauchgefühl sollte uns später nicht täuschen. Wir ziehen weiter, sind fasziniert von den riesigen Hallen, in denen auch Vögel einen Unterschlupf gefunden haben. Schießen Fotos und sehen sogar noch ein altes Laufband auf dem scheinbar die Zwiebacke hergestellt wurden, die wir früher immer von unseren Eltern bekommen hatten wenn wir Krank waren. Mit Kamillen-Tee galten sie bei uns als „beruhigend für den Magen“. Hatte man etwas am Magen, gab es Zwieback.

Die Firma ist nach dem Gründer benannt, Carl Brandt. Der Bäcker- & Konditormeister gründete 1912 die Zwieback- und Keksfabrik Brandt. Das Ziel war es, gleichbleibende Qualität an Zwiebacke und Kekse zu preiswerten Konditionen. 1929, als das Unternehmen schon über 700 Mitarbeiter beschäftigt hatte, hatte das Unternehmen eine fast komplett mechanisierte Produktion, sogar mit eigener Schneidemaschine für die Zwiebacke. Wusstet ihr eigentlich dass auf der Verpackung nicht von Anfang an das Brandt-Kind zu sehen war? Also dieses Kind, welches die Verpackung bis heute noch ziert? Das Foto wurde auch erst 1929 auf die Verpackung gedruckt.

Im Jahr 1956 hat Carl Brandt das Bundesverdienstkreuz erhalten – für seine Verdienste in der Ernährungswirtschaft. Leider verstarb Carl Brandt rund 10 Jahre später dann und seine Frau übernahm die Geschäfte. Nach ihrem Tod im Jahre 1984 wurde der Sohn der beiden, Carl-Jürgen Brandt, zum Geschäftsführer der Zwieback-Fabrik.

Dann sollte der Standort verlagert werden: Von Hagen nach Thüringen. Obwohl sich Hagen und das Land NRW mühe gegeben hatten die Firma Brandt in Hagen zu halten, hatte es Thüringen geschafft die Firma an den neuen Standort zu locken. Am 5. Dezember 2003 lief dann der letzte Zwieback vom Band in Hagen. Eine Geschichte, die gut anfing, dann aber schade endete, denn in Hagen wurden rund 500 Mitarbeiter arbeitslos – durch die Schließung eines Werks.

Heute soll es bereits neue Pläne geben: Scheinbar sollen die Gebäude abgerissen werden. Wann es soweit ist, kann ich leider nicht sagen.

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19 Kommentare
  1. Finn schreibt:

    Schöne Bilder!

    Die Zwiebackfabrik steht auch schon ewig auf unserer Liste… Nur dachte ich irgendwie bis jetzt, dass sie viel zerstörter ist.

    Aber das scheint ja gar nicht der Fall zu sein. Sehr gut, dann gehts wohl bald mal dort hin. Freue mich schon drauf!

    1. Christian schreibt:

      Hey Finn,

      ich empfehle nicht mehr dorthin zugehen. Erstens gilt es als Baustelle, zweitens sollen dort Security rumlaufen. Außerdem laufen dort wohl öfters Herren einer Abrissfirma rum (denen wir auch begegnet sind!).

      Grüße,
      Christian

  2. FrauMaja schreibt:

    In der Firma hat meine Oma übrigens mal gearbeitet 🙂
    Ich war vor 3 Jahren mal drin, noch bevor der Zug abgebrannt ist. Der scheint ja nun nicht mehr auf den Schienen zu stehen, wenn ich die Bilder richtig interpretiere?
    Damals konnte man ganz einfach rein und man traf drinnen eine Menge Leute. Allerdings waren auch damals schon einige Dachteile auf der Seite des S-Bahnhofs eingesackt.
    Ich arbeite übrigens wenige 100m von den Gebäuden entfernt und soweit ich weiß ist das größte Hindernis, dass die Brücken (und Teile der Gebäude?) denkmalgeschützt sind. Allerdings hab eher die Befürchtung, dass die irgendwann mal samt und sonders auf die Hauptstraße fallen, wenn die nicht saniert werden.
    Pläne für die Gebäude gab es viele, abreißen oder ein Outletcenter eröffnen… umgesetzt wurde keiner.

    Hier ein paar Fotos von meiner Exkursion damals https://www.flickr.com/photos/106670143@N02/albums/72157637198503644

    1. Christian schreibt:

      Hey Maja,

      schöne Fotos die du da geschossen hast. Der Zug steht nicht mehr auf den Gleisen, fand ich auch sehr schade. Aber da muss es auch einen Vorfall und einen Brand gegeben haben wenn ich mich recht erinnere. Scheinbar haben sie einen Weg gefunden, denn das Gebäude soll abgerissen werden – so wie ich es verstanden habe.

      Grüße,
      Christian

      1. FrauMaja schreibt:

        Ja genau, es gab einen Brand, anscheinend durch Brandstiftung, hier ist ein Bericht dazu:
        http://www.derwesten.de/wp/staedte/hagen/15-jaehriger-soll-feuer-auf-der-brandt-brache-gelegt-haben-id10558761.html

        Der Zug war aber schon vorher komplett ‚entglast‘ und eher eine Kuriosität als ein Augenschmaus.

        Grade weil da Leute so viel kaputt gemacht haben würde ich da heute auch nicht mehr rein gehen. Ich weiß auch nicht, ob es damals klug war durch die eine Brücke zu gehen. Wobei das Ding eigentlich recht stabil wirkte.

        1. Christian schreibt:

          Hey Maja,

          wir sind auch durch die Brücke gegangen. War stabil genug für zwei ausgewachsene Männer! 🙂

          Grüße
          Christian

    2. WonderPhotogrphy schreibt:

      Ich wohne direkt an der Brandt Brache und weiß : Der Zug war einer der alten Reichsbahn und daneben/davor stand eine lok von Akku hawker betrieben die wohl noch hakorten benutzt haben soll…aufgrund des brandes wurde beides oder eher fie überbleibsel da weg geschafft!

      Was den Abriss angeht:
      Damit soll 2018 Angefangen werden!
      Allerdings bleibt die fassede an der hauptstraße und die beiden Brücken aus denkmalschutzgründen stehen und werden saniert/restauriert.

      Es ist schade um ein gutes Stück hagener Geschichte aber Carl-Jürgen Brandt ist deswegen in Haspe auch sehr unbeliebt….zudem war /ist er eigentlich nur der Adoptivsohn der Brandts…..

      Ich will die nächsten Tage noch mal mit meiner Kamera los ziehen und das Gelände erkunden (habe leider erst seid august eine passende kamera)

    3. fabian schreibt:

      Richtig coole Bilder

  3. Nici schreibt:

    Hallo Christian!
    Ich wohne im Sauerland und habe leider erst Anfang 2016 mit dem Entdecken und Hobbyfotografie in lost places anfangen können. Und was soll ich sagen…es hat mich voll erwischt und hat in mir eine leidenschaftliche “ Sucht“ nach solchen Orten entfacht !
    Allerdings interessieren mich tatsächlich nur Objekte, die wirklich schon ziemlich alt sind, vor allem Industriegebäude und Kliniken.
    Wenn das ok für dich wäre, können wir gerne mal Bilder und Tipps zu Orten austauschen?!
    Ich bin ausschließlich an der mystischen Atmosphäre, der Schönheit des Verfalls und an der Fotografie an solchen lost places interessiert!
    Und ich verachte alle Vandalen dafür, dass sie ihre Probleme offensichtlich durch Zerstörung zu lösen versuchen und damit schöne Ruinen verschandeln!
    Sei mir gegrüßt und vielleicht bis bald mal!
    Nici

    1. Christian schreibt:

      Hey Nici,

      Informationen zu Locations gebe ich leider nicht raus, Sorry. Aber Bilder schaue ich mir immer gerne an, schick sie mir doch mal via Facebook 🙂

      Gruß,
      Christian

  4. Pedro schreibt:

    War vor ein paar Tagen dort, es war nur noch eine Brücke begehbar, bei der anderen war die Tür zu geschraubt. Im Verwaltungsgebäude liegen noch Unterlagen auf dem Boden verteilt und in einem Seifenspender auf einer Toilette ist sogar noch etwas drin.

    Aber es stimmt, ziemlich alle Scheiben sind eingeschlagen oder die Fenster geöffnet, dass sie mit dem Wind auf und zu schlagen. Im gehen sah ich im Schein meiner Taschenlampe ein kreisrundes Loch im Boden wodurch man die drunter gelegene Etage sehen konnte. Wir konnten nicht alles besichtigen, das Wetter war zu schlecht und man weiß nicht wie viel das Gebäude noch aushält mit dem ganzen Wasser.

  5. Kathy schreibt:

    Hallo lieber Christian,
    Kann ich mich bezüglich der Brandt Fabrik mit dir irgendwie privat in Verbindung setzen ?
    Zum Beispiel kik oder so ? Das ist ja auch recht anonym… a
    Ich würde mich riesig freuen wenn das gehen würde .
    Liebe Grüße Kathy

    1. Christian schreibt:

      Hallo Kathy,

      solche Messenger benutze ich leider nicht. Ich besitze hier ein Kontaktformular und auch über Facebook kannst du mich gerne anschreiben.

      Gruß,
      Christian

  6. Jana schreibt:

    Hallo Christian 😉

    ich wollte dich mal wegen der Brandt Fabrik in Hagen ansprechen.

    Ich habe mit mehreren Leuten gesprochen, die meinten, es wäre begehbar, sie seien im März lange da gewesen und wären niemandem begegnet, aber da ich den Kommentar hier gelesen habe, wollte ich trotzdem mal nachhören, ob du „sicher“ weißt, ob es da Security etc gibt?

    Viele Grüße
    Jana

    1. Christian schreibt:

      Hey Jana,

      sicher kann ich gar nichts sagen. Ich kann dir nur davon abraten ins Gebäude zu gehen ohne eine Erlaubnis.

      Gruß,
      Christian

      1. Gitti schreibt:

        Weiss denn jeamnd wo man sich eine Erlaubnis holen könnte?

        1. Christian schreibt:

          Hey Gitti,

          einzige Chance wer da was sagen darf: Der Eigentümer 🙂

          Grüße,
          Christian

  7. Heinz schreibt:

    Kann man nun rein oder nicht? Ich finde immer witzig , wenn die die drin waren , hinterher sagen , man solle das lassen. Wer hat eine aktuelle Info ? Vlg

    1. Daniel schreibt:

      Noch kannst du rein. Wir aber aktuell abgerissen, lange Zeit kannst du dir nicht mehr lassen, das Pförtnerhäuschen ist schon weg.

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