Urban Exploration wird in Deutschland immer mehr zum Trend

1 5.083

Leere Hallen und kahle Wände gehören für einen Urbexer dazu. Für ihn ist es ein Kopfkino, er taucht in eine andere Welt ein. Für viele andere sind es einfach nur runtergekommene Gebäude, völlig uninteressant und stinklangweilig. Doch immer mehr Menschen faszinieren sich für das Thema Urban Exploring und Lost Places – und ziehen mit ihrer Kamera los. Man merkt es praktisch überall: Facebook Gruppen bekommen immer mehr Mitglieder, Fanseiten mit Lost Places Bildern bekommen immer mehr Likes – und es werden täglich neue Bilder in den Blogs gepostet. Urban Exploration liegt in Deutschland voll im Trend.

In Deutschland gibt es tausende von Lost Places die Besucher anlocken. Wie zum Beispiel die Abhöranlage in Berlin auf dem Teufelsberg oder die Beelitzer Heilstätten. Nur um mal zwei der bekanntesten Lost Places in Deutschland überhaupt zu nennen. Aber es geht nicht nur darum die bekannten Lost Places „abzuklappern“, die schon tausendfach Motiv gestanden haben. Der Spaß liegt bei den meisten Urbexern auch darin, neue Locations zu finden. Selber die Augen offen zu halten, nachzuschauen ob die gefundene Halle wirklich verlassen ist oder nicht. Und dann ist da natürlich noch der Spaß an der Lost Place Fotografie.

3 Gründe warum Urban Exploration immer mehr zum Trend wird

Wird in Deutschland zum Trend: Urbexen
Wird in Deutschland zum Trend: Urbexen

Es gibt viele Gründe, weshalb man sich in Lost Places begibt. Während man früher noch komisch angeschaut wurde, dass man Ruinen betritt um diese zu fotografieren oder zu filmen, werden es täglich immer mehr, die dem Urbexing verfallen sind. Ich möchte mal 3 Punkte nennen, die als Grund dienen können, warum Lost Places immer mehr zum Trend wird und sich immer mehr Menschen dafür begeistern.

1. Der Nervenkitzel

Egal ob mit Führung oder ohne Führung: Es ist immer eine Art Nervenkitzel bei der ganzen Sache. Man muss sich eine leere Fabrik vorstellen – und auf einmal hört man eine sich zuschlagende Tür. Das kann der Wind sein. Oder auch andere Urbexer. Oder auch was anderes. Es ist eine Art Nervenkitzel die man nicht selten erlebt. Aber die auch nicht immer dazugehören muss. Viele betreten die verlassenen Orte aber auch nur wegen dem Nervenkitzel – und dass finde ich wiederum keine richtigen Urbexer. Meistens sind es Leute, die mit Handys fotografieren, sich nicht richtig über das „Urbexen“ schlau machen und auch gar nicht die Geschichte und Vergangenheit der Gebäude erfahren möchten. Aber jedem das seine, solange kein Vandalismus der Grund für das betreten der Lost Places ist.

2. Atemberaubende Motive

Verlassene Gebäude geben wirklich feine Motive ab, die man so nicht finden kann. Zudem kann man Dinge von innen sehen, die man sonst nicht sehen könnte, wie zum Beispiel eine verlassene JVA. Es gibt auch keine störenden Menschen die durchs Bild laufen – man fängt ein Bild vollkommen still ein. Dann kommt der Look dazu, der Look von heruntergekommenen Wänden, bei denen die Farbe und/oder die Tapete abbröckelt. Es ist staubig. Das alles ist ein Zusammenspiel, welches man nur in Lost Places einfangen kann. Besonders für die Hobby-Fotografen sowie Profi-Fotografen sind diese Motive etwas besonderes.

3. Die Geschichte

Für mich ist Grund Nummer 2 ein besonders wichtiger. Weil ich selber fotografiere. Aber auch dieser Grund ist ein Grund, weshalb ich mich mit dem Thema „Urban Exploration“ beschäftige und „Urbexer“ geworden bin. Ich finde die Geschichte hinter den Gebäuden schön und interessant. Es gibt so viele leerstehende Gebäude, die alle verschiedene Geschichten haben. Sie beeindrucken und regen zum Nachdenken an. Sie lassen mich immer mehr wissen. Sie lassen mich mehr über sich erfahren. Beispielsweise das verlassene Kloster – die Geschichte dahinter ist super interessant. Ich glaube ich hätte mich sonst nie mit einem solchen Thema beschäftigt – weil mich Kloster eigentlich nicht wirklich interessieren. Aber ich möchte ja auch mehr erfahren, was dort passiert ist und warum.

Neulinge, bitte beachtet den Urban Exploration Codex!

Es gibt einen ungeschriebenen Codex unter den Urbexern. Einen Codex, der Verhaltensregeln festlegt, wie man mit Lost Places umzugehen hat. Ich weiß dass verlassene Orte einen Reiz ausmachen. Aber es geht um Respekt dem Ort gegenüber. Dieser sogenannte Urbex-Codex ist dafür da, dass man weiß was man an einem Lost Place machen darf und was nicht. Wir befinden uns sowieso in einer schwierigen Lage, so dass wir diese nicht noch verschlimmern möchten. Ich würde mich freuen, wenn Neulinge, die zu diesem Thema finden, sich an den Urbex Codex halten und ihn beherzigen. Es sind ja nicht viele Punkte, dennoch aber wichtige.

1. Take nothing but pictures

Urbexer sind keine Diebe und das einzige was von einem Lost Place mitgenommen werden darf, sind eindrücke und geschossene Bilder. Egal was rumliegt: Es wird nichts mitgenommen. Alles hat einen Eigentümer. Dies ist wie ich finde die wichtigste Regel vom Urbexer Codex.

2. Leave nothing but footprints

Seinen Müll kann man in den Abfalleimer werfen. Die stehen in Deutschland an jeder Straßenecke. Nutze sie auch. Wenn du Müll in den Taschen hast, dann lass ihn auch darin. Nur weil ein Ort verlassen ist, musst du ihn nicht mit deinem Müll verdrecken. Du bist nur einer. Aber der nächste wäre schon die zweite Person. Und so weiter. Das einzige was du an Lost Places hinterlassen darfst sind deine Fußabdrücke.

3. Vandalismus ist Tabu!

Eingetretene Türen, eingeschlagene Fenster, Graffitis. Drei Dinge, denen wir Urbexern immer wieder begegnen. Und ich finde es traurig. Diese drei Dinge gehören zum Vandalismus – und sind für jeden Urbexer Tabu. Eine verschlossene Tür bleibt verschlossen. Ein verschlossenes Fenster bleibt verschlossen. Und eine saubere Wand bleibt eine saubere Wand. Ein richtiger Urbexer hat mit dem Thema Vandalismus gar nichts am Hut – und dass ist auch gut so! Also lass du auch deine Finger davon und höre auf die verlassenen Orte, die trotzdem noch einen Eigentümer haben, zu verschandeln.

4. Was zu ist bleibt zu

Als Urbexer kann man sich durch das kleinste Loch zwingen, aber man verschafft sich nicht gewaltsam den Eintritt. Das ist ein absolutes No-Go und sollte von jedem respektiert werden. Was zu ist, bleibt auch zu!

Wenn du dem Trend folgst und Urbexer wirst…

Jeden Tag entdecken immer mehr Menschen das Urban Exploring für sich. Das finde ich schön, solange sie sich an den Codex und Co. halten. Wichtig ist aber auch, dass sie wissen sollten, dass es nicht einfach so ein Trend geworden ist, sondern das Urban Exploring schon lange da ist, bisher aber nur eine kleine Randgruppe war, die sich dem Thema gewidmet haben. Mittlerweile ist die Szene schon sehr groß, was man schnell feststellen kann wenn man in entsprechenden Gruppen, Foren oder Blogs unterwegs ist.

Lost Places machen einen gewissen Reiz aus
Lost Places machen einen gewissen Reiz aus

Wenn du dem Trend folgst, dann solltest du auch akzeptieren dass dir in den Gruppen meistens keine öffentliche Angaben zu Orten gemacht werden. Tagtäglich sehe ich immer wieder Menschen, die sich gar nicht mit dem Thema befassen und einfach nachfragen ob jemand Locations in einer Stadt kennen. Ich verstehe nicht, wie jeden Tag Menschen denken können, ihnen werden die Lost Places einfach so verraten. Ich mein, nachfragen ist ja Ok, aber öffentlich? Und dann noch so dreist zu sein, eine Gruppe beizutreten und dann direkt öffentlich zu fragen, ob man ein paar Locations genannt bekommt? Also dass kann ich bei bestem Willen nicht verstehen, denn in der Regel sind die Gruppen dafür da, dass man sich Bilder anschaut und selber welche postet (natürlich nur die, die man auch selber geschossen hat). Und sich natürlich austauscht, Bilder konstruktiv bewertet und auch selber konstruktive Kritik bekommt. Denn es ist noch kein perfekter Fotograf vom Himmel gefallen.

Ich selber bekomme täglich Nachrichten darüber, ob ich den Standort einer Location mitteile. Das tue ich natürlich nicht so einfach. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich ständig darüber, Bilder von Locations zu sehen, die ich selber schon besucht habe – einfach um zu sehen welche Blickwinkel ich nicht gesehen habe und wie andere die Location auf Fotos festhalten. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch nicht einfach so meine Locations rausgeben. Ich tausche da viel lieber. Gebe ich eine Location raus, erwarte ich auch eine Location. Einfach aus dem einfachen Grund heraus, dass beide einen Nutzen daraus ziehen. Man sollte es respektieren wenn jemand einen Ort nicht rausgibt, sondern lieber nachfragen, ob man nicht tauschen könnte. Das bringt meistens viel mehr als nur zum Beispiel so nachzufragen: „Sagst du mir wo das verlassene Krankenhaus liegt?“

Ich finde es die verschiedenen Schritte beim Urbexing extrem spannend: Ein Schritt davon ist zum Beispiel, das Suchen von Locations. Zwar habe ich einige Locations getauscht, aber auch viele selbst gefunden. Die einen per Google, bei denen ich gesucht und gesucht habe. Andere wiederum im Alltag, als ich Unterwegs war. Da habe ich einfach die Augen offen gehalten und mir die Locations gemerkt bzw. notiert. Einige Locations habe ich aber auch via Bilder und Google gefunden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich Bilder von einem Krankenhaus gesehen habe und die betroffene Person die Location nicht rausgeben wollte – natürlich getauscht. Es war ein Krankenhaus in extrem gutem Zustand. Ich habe mir die Bilder genau angesehen und nach Hinweisen gesucht. Hinweise, die auf die Stadt, das Dorf oder wenigstens das Bundesland hinweisen. Leider Fehlanzeige – da hat jemand seine Hausaufgaben gemacht. Auf einem Bild war aber ein Kirchturm abgebildet: Spitzes Dach und eine Kirchturmuhr. Fotografiert wurde aus der Location raus, über den Ort wo sich die Location befindet. Also habe ich nach Kirchtürmen gesucht. Meine Suche über die Google Bildersuche dauerte Stunden, ich habe Kirchtürme ohne Ende gefunden, aber leider war keiner wie der den ich gesucht habe. Und dann? Habe ich es endlich gefunden! Der Kirchturm den ich über Stunden gesucht habe. Ich wusste nun also den Ort und musste nur noch die Recherchen fortführen. Und genau sowas macht mir Spaß, denn wenn man dann fündig wird, weiß man was man getan hat und man kann ein Stück weit stolz auf sich sein.

Ich glaube auch, dass das ein wenig dazu führt, dass Urban Exploration zum Trend wird in Deutschland. Warum? Weil diese Suche einfach Spaß macht. Es gibt tausende von „Geocacher“ die ja total ähnliches machen: Sie bekommen Hinweise und müssen dann auf die Suche nach dem „Schatz“ gehen. Und ähnlich verhält es sich mit dem Urban Exploration. Nur dass hier der Schatz keine versteckte Dose ist, sondern ein ganzes verlassenes Gebäude.

Was denkst du?

Was denkst du, warum immer mehr Menschen dem Urban Exploring verfallen sind und sich immer mehr Menschen auf die Suche nach Lost Places machen? Wie bist du dazu gekommen? Was macht dir am meisten Spaß beim Urban Exploring? Schreib es mir in die Kommentare!

Empfange ab sofort meinen Newsletter
Bekomme die neusten Lost Places direkt in dein Postfach!
Ich verschicke keinen Spam und gebe deine Daten nicht weiter. Außerdem kannst du dich jederzeit austragen.
Möchtest du noch mehr lesen?
1 Kommentar
  1. Lucy schreibt:

    Diesen Aussagen kann ich einfach nur zustimmen. Ich selber bin ja eigentlich noch ein recht junger Urban Explorer, aber mich faszinieren die verlassenen Orte, weil sie irgendetwas magisches an sich haben. Etwas nostalgisches.

    Ich konnte auch 2 Freunde begeistern, mit mir bereits ein Mal ein kleines verlassenes Gebäude erkunden zu gehen, allerdings ist auch bisher nicht viel mehr passiert, obwohl wir bereits Ausschau halten nach einem anderem interessanten Ort. Und ja, wir sind zwar Jugendliche, halten uns aber fest an die Regeln, dass Vandalismus, Diebstahl oder Sonstiges verboten ist, sondern die Fotos zählen.

    Ja, Urban Exploring ist schon ein faszinierendes wenn auch gefährliches Hobby, und ich bin froh, dass ich vor ein paar Jahren darauf gestoßen bin.

Hinterlasse ein Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht