Verlassene Orte für Anfänger: Was eignet sich für den Einstieg?

Zu viel Graffiti und schon entkernt: Die Papierfabrik Düsseldorf
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Irgendwie habe ich das Gefühl, dass verlassene Orte wie Fabriken, Hotels, Krankenhäuser und Psychiatrien immer mehr zu einem Trend werden und derzeit einen Hype erleben. Kein Wunder: Selbst im Fernsehen sieht man unser Hobby! Bei Galileo wurden schon etliche Lost Places gezeigt, es wurde sogar ein Urbexer auf seiner Tour begleitet. Ich möchte das alles gar nicht schlecht reden, denn schließlich ist es ein schönes Hobby. Aber durch den Hype den das Urban Exploring und die verlassenen Orte derzeit erleben, kommen auch immer mehr Anfänger in die Urbex-Szene. Und genau für die möchte ich ein paar Dinge schreiben, welche verlassenen Orte sich lohnen und welche nicht.

Gerade wenn man einen Blog oder ein Magazin zum Thema Lost Places betreibt, ist man für viele eine gute Anlaufstation. Ich betreibe ja nicht nur den Blog, sondern auch noch die dazugehörige Facebook-Seite, einen Youtube-Kanal und einen Instagram-Account. Ich publiziere meine Bilder auch in diversen Communitys und tausche mich mit anderen aus. Ich bin also recht präsent, auch wenn es deutlich auffälligere Leute gibt. Allerdings findet man meinen Blog, diesen hier, ganz gut über Google. Und somit bin ich für viele Neulinge im Bereich Urban Exploration eine Anlaufstelle. Bei mir wird viel gelesen – und ich werde gerne kontaktiert. Beides finde ich nicht schlimm, ich biete schließlich die Möglichkeit dazu.

Welche verlassenen Orte eignen sich optimal für Einsteiger?

Oft werde ich nach Locations gefragt. Was ich prinzipiell auch nicht schlimm finde, jeder hat mal angefangen. Allerdings wird meistens erwartet, dass mein Locations nennt. An Leute die man nicht kennt. Wo man nicht weiß, ob sie wirklich Fotos schießen möchten oder ob es vielleicht doch randalierende Jugendliche sind. Ich habe es bisher immer so gehandhabt, dass ich keine Locations nenne an Leute, die ich nicht kenne. Wir Urbexer schützen unsere verlassenen Orte ja schon ein wenig und das finde ich auch wichtig.

Deswegen möchte ich für alle, die sich jetzt frisch mit dem Thema beschäftigen mal mitteilen, was sich denn so für Anfänger lohnt. Ich weiß noch meine erste „Location“, welche eigentlich keine wirkliche Location ist. Es war ein keiner Stollen, gegenüber eines alten Konzentrationslagers. Den hat ein Freund von mir gefunden gehabt und meinte Nachts „Los, lasst uns dort hin“. Und genau das haben wir dann getan. Und schon hat mich die Abenteuerlust gepackt.

Ich glaube, dass sich die Public-Orte für die Einsteiger perfekt eignen. Es gibt einige Orte die man schon bei leichtem Googlen findet. Da muss man erstmal niemanden anschreiben, bei niemandem betteln und bei niemanden in den Hintern kriechen. Die ersten Lost Places die ich besucht habe in meiner Anfangszeit waren genau solche Public-Orte, die bekannter als bunte Hunde sind. Wie zum Beispiel die verlassene JVA in Düsseldorf. Als ich dort das erste mal war, waren so viele Fotografen dort unterwegs, dass ich gar nicht daran dachte dass der Ort verlassen ist. Auch die alte Papierfabrik in Düsseldorf ist ja schon sehr bekannt und wurde schon mehrfach Opfer von Vandalismus.

Einer meiner ersten Lost Places: Die verlassene JVA
Einer meiner ersten Lost Places: Die verlassene JVA

Es sind also die recht bekannten verlassenen Orte die man sich perfekt für den Einstieg nutzen kann. Zwar gibt es davon schon tausende Fotos und man begegnet dort häufig auch vielen anderen Urbexern, allerdings finde ich es wichtig erstmal mit solchen Locations anzufangen, damit man eben auch die schöneren Locations wertschätzt. Denn nicht alle Locations sind gleich und nicht jede Tour wird euch begeistern. Ich bin mittlerweile so verwöhnt, dass mich größere Lagerhallen nicht mehr viel interessieren. Ich nehme die Locations trotzdem gerne mit, weil es sich um verlassene Orte handelt und man nie weiß, welche Motive man vor die Linse bekommt. Auch wenn ich die Location in meinem Kopf dann nicht wirklich gut bewerte, so habe ich wieder einen Lost Place gesehen und wieder einen etwas erlebt. Ich sage dann aber nicht „Die Location war Mist“, sondern freue mich über die fotografierten Motive. Denn auch ich bin immer noch in einer Lernphase, in denen ich das Fotografieren von Lost Places lerne. Und man lernt ja bekanntlich nie aus.

Nutze die Public-Locations – oder hab enorm viel Glück!

Ich gebe dir als Neuling also den Tipp, die bekannten Lost Places zu nutzen. Zum lernen wie man solche Orte fotografiert. Zum lernen wie man sich auf einer Tour verhält. Zum sammeln von Erfahrungen wie eine Tour abläuft, was man alles braucht und auf was man gut und gerne verzichten kann. Einfach um Erfahrungen als Urbexer zu sammeln. Du kannst dich natürlich auch anderen Urbexern anschließen und mit ihnen eine Tour durchziehen. Dann kannst du Glück haben.

Ich habe zum Beispiel nun schon 2x eine Freundin mit auf eine Tour genommen und sie hat nunmal Glück gehabt. Sie kannte mich. Jemand der sich auch gerne schöne Locations anschaut. Jemand der auch gerne eine längere Strecke auf sich nimmt. Und ihre erste Tour war direkt nach Belgien, ins Fort de la Chartreuse und in die Cristallerie. Sind wir mal ganz ehrlich: Wer von uns hätte eine solche Location nicht auch gerne als erstes mitgemacht? Da packt einen doch das Urbex-Fieber ohne Ende, oder nicht? Ich hatte kein solches Glück, bin aber auch sehr zufrieden damit wie es gelaufen ist und dass ich zuerst die bekannten verlassenen Orte sehen durfte.

Die Cristallerie in Belgien
Die Cristallerie in Belgien

Was sind in der Regel die bekannten verlassenen Orte?

Das sind genau die Orte, die man durch leichtes googlen finden kann. Hier hilft die Suchmaschine schon extrem weiter, auch wenn ich das nicht immer gut heiße. Da findet man dann nicht nur Hinweise auf die Location, sondern oft auch Adressen, Zeitungsartikel und vieles mehr. Und genau diese Locations sind recht überlaufen, haben zwar viel Vandalismus erlebt aber sind auch perfekt für den Einstieg. Man muss jetzt nicht denken dass man dort noch großartig Inventar findet, sondern handelt es sich meistens um leere Fabrikhallen mit leeren Büros oder ähnliches. Nur selten findet man mal eine alte Maschine oder ähnliches. Aber das alles braucht man auch gar nicht am Anfang. Da muss man nicht direkt Inventar vorfinden welches man perfekt als Motiv nutzen kann. Das ganze klingt zwar recht langweilig wenn man sich die unzähligen Lost Places Fotografien anschaut, dennoch kann man schon enorm viel mit der Architektur spielen.

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5 Kommentare
  1. Micro Adventures: Erlebnisse & Abenteuer für Wochenende & mini Budgets › Langeweile? strongg.com!

    […] erkunden. Aber Vorsicht – informiert euch vorher, ob die Orte betreten werden dürfen. Bei lost-place.org gibt es Tipps für den […]

  2. David schreibt:

    Hey.
    ich suche für ein Musikvideoprojekt für eine Rockband ein passendes Set mit besonderem Ambiente. In dem Song geht es um die Sucht zum Showbusiness, nicht aufhören können und den letzten Vorhang, der unweigerlich irgendwann fällt.
    Vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen und kennt einen Ort an dem ich so ein Videoprojekt realisieren kann? Cool wär auch wenn ihr evtl Photos von euren Locationvorschlägen mitschicken könntet.
    Lieben Gruß
    David

    1. Christian schreibt:

      Hey David,

      Locations gebe ich nicht raus, auch nicht für ein Musikvideo-Projekt.

      Grüße,
      Christian

  3. Katharina schreibt:

    Hallo Christian,
    Meine Mutter und mein Vater haben vor ein paar Tagen deine Facebook-Seite gefunden und waren fasziniert.
    Jetzt haben sie vor ein paar Lost Places zu besichtigen weil sie sehr interessiert dran sind.
    Ich erwarte jetzt natürlich nicht das du erzählst wo solche sind, aber ein klone freigegeben hätte ich schon:
    Gibt es auch Lost Places in Kiel bzw Schleswig-Holstein?
    Danke im Voraus für deine Antwort.
    Liebe Grüße
    Katharina

    1. Christian schreibt:

      Hey Katharina,

      ja, auch in Kiel und ganz Schleswig-Holstein gibt es Lost Places 😉

      Grüße,
      Christian

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